Klimaabkommen, Biodiversität, nachhaltige Energie, Artenschutz oder Rettung eines Korallenriffes – in den Medien lesen wir meistens: Wir tun nicht genug, wir zahlen nicht genug, wir schützen nicht genug. Zur Abwechslung wollen wir mal über die aktuellen Fortschritte am Jahresende sprechen. Stichworte: EU-Emmissionshandel und UN-Abkommen zur Biodiversität.

In der vergangenen Woche (12. - 18.12.2022) gab es gleich zwei gute Nachrichten, sagt Umweltjournalist Georg Ehring. Zum einen das weltweite Abkommen über die Biodiversität, das die Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen in Montreal verabschiedet hat. Und zweitens die Einigung beim Emissionshandel in der EU.

UN: Abkommen über Biodiversität

Das von der COP 15 in Montreal verabschiedete Abkommen hat große Fortschritte im Naturschutz gebracht – das sei so nicht zu erwarten gewesen, sagt Georg Ehring.

  • 30 Prozent der Land- und Wasseroberfläche soll unter Schutz gestellt werden
  • Bis zum Ende des Jahrzehnts wird die Halbierung der Wirkung von Pestiziden angestrebt
  • Es gibt Milliardenzahlungen für Entwicklungsländer, damit diese ihre Urwälder schützen und etwas für die Biodiversität tun können
"Das ist ein Abkommen, was man so nicht erwartet hat. Es liest sich fast wie ein Wunschzettel von Umweltschützern. Das hat mich gefreut und auch überrascht."
Georg Ehring, DLF-Umweltredakteur

EU: Reform des Emissionshandels

Innerhalb der Europäischen Union dürfen Energieversorger nur definierte Mengen CO2 ausstoßen. Die EU hat sich jetzt darauf geeinigt, die erlaubten Mengen so stark zu verringern, dass das tatsächlich etwas bewegen könnte, glaubt Georg Ehring. Laut Christoph Bals von Germanwatch habe die Vereinbarung das Zeug, die Kohle spätestens 2030 aus dem Markt zu verdrängen – und zwar deswegen, weil die Verbrennung der Kohle für die Industrie dann einfach zu teuer geworden ist.

"Spätestens 2030 könnte sich die Verbrennung von Kohle nicht mehr lohnen. Das ist eine richtig gute Nachricht."
Georg Ehring, DLF-Umweltredakteur

Die Einigung beim Emissionshandel hat ihn nicht überrascht, sagt Georg Ehring. Das habe sich abgezeichnet. Das Abkommen über die Biodiversität sei aber wesentlich weiter gegangen, als erwartet worden sei. Meistens werde der finale Text im Laufe der Verhandlungen so stark verwässert, dass alle unterschreiben können. Oft säßen dann am Ende Industrie und Wirtschaftsinteressen am längeren Hebel. Natürlich habe es diese Prozesse bei der COP 15 auch gegeben – allerdings in viel geringerem Umfang als erwartet.

Vereinbarungen müssen auch umgesetzt werden

Letztendlich sei die vergangene Woche eine "richtig gute Woche" in Sachen Umwelt- und Klimaschutz gewesen, sagt Georg Ehring. Natürlich habe das Ganze aber wie immer auch seine Schattenseiten. Auf dem Papier liest sich das Abkommen über Biodiversität gut, doch die Vereinbarungen müssten jetzt natürlich auch praktisch umgesetzt werden. Hier sei zu befürchten, dass große Abstriche gemacht werden.

Das zeige auch die Erfahrung mit vergangenen Abkommen, bei denen "überhaupt nichts umgesetzt" wurde. Allerdings seien diese Abkommen auch noch nie so weit gegangen und auch noch nie so verbindlich gewesen. Es gebe also durchaus Grund zur Hoffnung, dass das diesmal besser wird.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Georg Ehring, DLF-Umweltredakteur