Mark Zuckerberg möchte sich von Dollar und Co unabhängig machen: Die Facebook-Währung "GlobalCoin" ist fast fertig. Die wohl wichtigste Zielgruppe lebt in Ländern mit stark schwankenden Währungen.

Facebook will voraussichtlich am 18. Juni eine eigene Kryptowährung vorstellen. Sie soll ab 2020 innerhalb und außerhalb von Facebook für Transaktionen verwendet werden können. Einerseits ist Facebook damit relativ spät (es gibt ja schon hunderte Kryptowährungen), andererseits könnte der Einstieg des Konzerns Kryptowährungen zum Durchbruch im Mainstream verhelfen.

Facebook hat rund 2,3 Milliarden User, die alle potenzielle Nutzer der neuen Währung sind. Mark Zuckerberg hat angekündigt, eine Milliarde Dollar in das Projekt zu investieren. Von staatlicher Geld- und Marktregulierung würde sich der Konzern damit ein Stück weit unabhängig machen.

"Die haben es wohl geschafft, einige Finanzinstitute und andere Techunternehmen zu beteiligen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Facebook arbeitet schon seit etwa 2018 an einer eigenen Kryptowährung und dem Aufbau eines eigenen Bezahlsystems. Die Kryptowährung wird auf der Blockchain-Technologie basieren und "GlobalCoin" heißen. Im Netz wird sie von vielen umgangssprachlich bereits als Facebook-Dollar bezeichnet. Eine Stiftung in der Schweiz soll die Währung verwalten. Finanzinstitute und andere Techunternehmen sollen ihre Beteiligung zugesagt haben.

Analog einkaufen mit digitaler Währung

Die Facebook-Coin wird dann unter Facebook-Usern und im E-Commerce als Zahlungsmittel eingesetzt werden. Falls große Shops wie Amazon GlobalCoin als Zahlungsmittel anerkennen, könnte sich die Währung rasch etablieren. Grundsätzlich könnte auch - entsprechende Kooperationen vorausgesetzt - das Einkaufen im stationären Handel möglich sein.

"Facebook hat vor, seine Mitarbeiter künftig mit dem eigenen Facebook-Coin zu bezahlen statt in Landeswährungen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Händler, die die Kryptowährung von Facebook als Zahlungsmittel akzeptieren, sollen mit Vergünstigungen gelockt werden. Das amerikanische Techportal The Information hat von Insidern einige Details in Erfahrung gebracht:

  • Facebookmitarbeiter sollen in GlobalCoin bezahlt werden
  • für die neue Währung sind Zinszahlungen vorgesehen
  • es soll physische Wechselautomaten zum Währungstausch geben

Hauptzielgruppe der GlobalCoin sind Facebookuser in Entwicklungsländern. Dort könnte sich die neue Kryptowährung zu einer Nebenwährung entwickeln, weil die Landeswährungen starken Schwankungen unterworfen sind - beispielsweise der Bolívar in Venezuela mit seiner Hyperinflation.

Vertrauen in die Währung dürfte aber wohl die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der Währung sein, vermutet die Neue Zürcher Zeitung. Das Blog Cryptomonday geht davon aus, dass die neue Währung die Debatten über Monopole, Marktkonzentration und Privatsphäre befeuern wird.