Ein 28-Jähriger wird verdächtigt, den Anschlag auf den BVB-Bus verübt zu haben. Das Motiv: Habgier. Durch Put-Optionen wollte er an der Börse reich werden. Aber was sind eigentlich Put-Optionen?

Mit Put-Optionsscheinen erkauft sich der Anleger das Recht, in einem gewissen Zeitraum eine Aktie für einen zugesicherten Preis zu verkaufen. Er wettet damit etwa auf den Verlust einer Aktie: Je größer der Verlust der Aktie, desto größer ist sein Gewinn. Er gewinnt schließlich die Differenz zwischen Ursprungswert und gesunkenem Wert der Aktie - erklärt uns DRadio-Wissen-Wirtschaftsredakteurin Kiyo Dörrer.

Höchst spekulativ - und sehr laienhaft gehandelt

Die ursprüngliche Idee dieser Handelsoption ist, sich damit gegen Kursabstürze abzusichern. Das heißt, selbst wenn eine Aktie plötzlich abstürzt, hat der Anleger noch eine Art Mindestverkaufspreis in petto und erleidet keinen Totalverlust. Allerdings werden Put-Optionen auch zu risikoreichen Spekulationen herangezogen, sagt Kiyo Dörrer. Etwa so, wie es jetzt der Beschuldigte gemacht hat. Der verdächtige 28-Jährige, gegen den mittlerweile Haftbefehl erlassen wurde, habe dabei jedoch sehr laienhaft gehandelt, sagen Börsenprofis. 

"Die Polizei ist ihm relativ schnell auf die Schliche gekommen – auch weil er sich eigentlich die falsche Aktie ausgesucht hat."
Kiyo Dörrer, DRadio-Wissen-Wirtschaftsredakteurin

Zum einen wird die BVB-Aktie im Vergleich eher weniger gehandelt wird, erklärt Kiyo Dörrer. Sie ist eher so etwas wie eine "Liebhaber-Aktie", die vor allem Privatanleger und Fans kaufen. Zum anderen hätte der mutmaßliche BVB-Attentäter nur Gewinn gemacht, wenn die Aktie dramatisch abgestürzt wäre. Vor dem Anschlag gab es aber keinerlei Anzeichen, dass die Aktien einstürzen könnte. "Und wenn dann jemand mit 15.000 Optionsscheinen daher kommt, fällt das definitiv auf," erklärt Kiyo Dörrer. Insofern hat der mutmaßliche Attentäter sich besonders auffällig verhalten. 

Transaktion nicht ausgeführt

Geldwäsche-Manipulationen, Insider-Handel und andere Tricksereien mit dem Wertverlust von Unternehmensaktien werden natürlich überwacht. "Die Kontrollmechanismen sind sehr stark. In diesem Fall ist es sofort aufgefallen und die Transaktion wurde gar nicht ausgeführt." 

Die Kontrollmechanismen an der Börse springen immer an, wenn es außergewöhnliche Transaktionen gibt. Dass Spekulationen wie Put-Optionen verboten werden, hält Kiyo Dörrer nicht für wahrscheinlich: "Es war ja sofort klar, dass hier etwas nicht stimmt", sagt sie. Auch bleibt diese Art des Handels keine einseitige Sache: "Es ist eine Wette, aber die braucht immer auch einen Gegenpart, also jemanden, der dagegen hält."