Der Schutz einer vollständigen Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach. Die Impfkommission empfiehlt für Ältere eine Auffrischungsimpfung. Kommt die demnächst für alle? Und wo bekommen wir die? Ein FAQ zur Booster-Impfung.

Viele Menschen über 70 Jahre haben schon die dritte Corona-Impfdosis erhalten, die sogenannte Booster-Impfung. Für ältere Menschen spricht die Ständige Impfkommission auch eine Empfehlung aus: Ja, eine dritte Impfung ist sinnvoll. Die Impfverordnung erlaubt es aber, dass auch junge Menschen ein drittes Mal geimpft werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Booster-Impfung:

Wer sollte sich um eine Auffrischungs-Impfung kümmern?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Auffrischungsimpfung für Menschen, die über 70 Jahre alt sind, für medizinisches und Pflege-Personal und für solche, die beim ersten Mal den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben.

Die Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff soll frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen, teilt die Impfkommission mit, unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde.

Warum muss überhaupt geboostert werden?

Nach rund sechs Monaten lässt die Wirkung des bisher verabreichten Impfstoffes nach. Das Risiko, sich zu infizieren und schwer an Covid-19 zu erkranken, steigt also wieder, speziell für ältere Menschen.

Wer kann alles geimpft werden?

Eine Auffrischungsimpfung kann prinzipiell jeder Mensch erhalten, der geimpft werden kann. Der Hausarzt Malik Böttcher aus Berlin sagt, bei ihm in der Praxis würden sogar mehr Menschen unter 50 nach einer Booster-Impfung fragen als die Älteren. Und wenn es sinnvoll erscheint und ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, erhalten die Jüngeren die Booster-Impfung auch. "Bevor wir Impfstoff wegschmeißen müssen, impfen wir natürlich auch andere Personen", sagt Malik Böttcher.

Malik Böttcher, Hausarzt in Berlin, über die Booster-Impfungen in seiner Praxis
"Die meisten Anfragen in unserer Praxis nach einer Auffrischungsimpfung kommen von Personen unter 50 Jahre."

Neben der Ständigen Impfkommission gibt es auch abweichende Empfehlungen: Gesundheitsminister Jens Spahn rät allen Menschen ab 60 Jahren sich die Booster-Impfung abzuholen und generell jedem, der es möchte. So wie er: Er hat seine dritte Impfung bereits erhalten. Es gebe genug Impfstoff für alle, und das Beispiel Israel zeige, dass sich damit eine große Welle im Winter brechen ließe.

Was hilft besser, das Infektionsgeschehen einzudämmen? Viele Booster-Impfungen oder mehr Impfungen von bisher Ungeimpften?

Die mit Abstand meisten Covid-Patienten im Krankenhaus sind ungeimpft. Das lässt den Schluss zu, dass der positive Effekt auf das Krankheitsgeschehen in einem Land stärker davon beeinflusst wird, ob man generell (zweifach) geimpft ist und weniger davon, wie viele Menschen schon eine Booster-Impfung erhalten haben.

Allerdings spielt bei der Frage noch ein anderer Aspekt eine Rolle – inwiefern es überhaupt möglich ist, eine relevant hohe Zahl an Nicht-Geimpften noch dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen.

Hausarzt Malik Böttcher sagt: Wer generell eine ablehnende Haltung gegenüber der Corona-Impfung hat, ist nur mit "sehr viel Energie" dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen – wenn es überhaupt klappt. Es könnte gesamtgesellschaftlich gesehen also effizienter sein, Freiwillige mit einer Booster-Impfung zu versehen als Menschen versuchen zu überzeugen, sich überhaupt impfen zu lassen.

Welche Studien gibt es zu den Booster-Impfungen?

In Israel wurden die Impfdaten von mehr als 700.000 Menschen ausgewertet, die schon eine Booster-Impfung von Biontech-Pfizer erhalten haben. Verglichen wurden die Daten mit solchen von Menschen, die zweifach geimpft waren. Und tatsächlich zeigten sich große Unterschiede: Unter den Personen mit Booster-Impfung mussten 14 von 100.000 Menschen mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden. Von den Menschen mit zweifacher Impfung mussten 220 von 100.000 ins Krankenhaus, also rund 15 Mal mehr.

Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin, über die Studie aus Israel, bei der Daten von hunderttausenden Menschen ausgewertet wurden
"Die Forschenden in Israel fanden bei ihrer Studie heraus, dass dreifach Geimpfte gegenüber zweifach Geimpften ein um 93 Prozent niedrigeres Risiko für einen schweren Verlauf aufwiesen."

Allerdings gibt es von den Forschenden aus Israel keine generelle Empfehlung für alle Bevölkerungsgruppen. Dafür gebe es zu wenig Daten, vor allem, wenn es um die Gruppe von Menschen unter 40 geht – denn da werden zu wenige Krankenhausaufenthalte registriert, um genügend verlässliche Zahlen zu bekommen.

Gerade bei Jüngeren sei deshalb im Einzelfall abzuwägen, ob der Vorteil des höheren Schutzes so groß ist, dass er eventuelle Nachteile wie Nebenwirkungen der Impfung aufwiegen kann.

Müssen die Impfzentren wieder öffnen?

Bei Hausarzt Malik Böttcher ist es so: Einerseits können alle Menschen geimpft werden, die eine Erst-, Zweit- oder Drittimpfung wollen oder brauchen. Andererseits klappt das nur dank "Extraschichten". Malik Böttcher: "Und damit würden wir gerne irgendwann mal aufhören."

Volker Finthammer, Dlf-Hauptstadtstudio, zur Frage, ob die Impfzentren wieder öffnen müssen
"Eigentlich wären wir auf die Impfzentren nicht angewiesen, die Hausärzte und Kassenärzte könnten sofort loslegen. Doch es fehlt vielleicht an einem geeigneten Einladungssystem."

Volker Finthammer aus dem Dlf-Hauptstadtstudio geht davon aus, dass die Infrastruktur der Haus- und Kassenärzte eigentlich ausreicht, um alle nötigen Impfungen zu verabreichen. "Vielleicht fehlt es zurzeit eher noch einer Art Einladungssystem", sagt er.

Er kann sich aber vorstellen, dass in manchen Regionen je nach Bedarf und Abdeckung durch Hausärztinnen manche Impfzentren wieder öffnen.