Alles niedergebrannt, kein Grün mehr da: Dennoch können sich Wälder in Teilen selbst regenerieren. Neupflanzungen müssen durchdacht sein, weil man dabei viel Geld in den Sand setzen kann. Und worauf es ankommt, um die Brandgefahr gering zu halten.

In vielen Teilen Europas haben die Wälder in diesem Sommer gebrannt. Durch die extreme Hitze, Trockenheit und ungünstige Witterung haben sich Waldbrände schnell ausgebreitet und ließen sich nur schwer eindämmen. In Frankreich , Spanien und zuletzt in Belgien sowie in Nordrhein-Westfalen haben die Feuer gewütet.

Über 30 Quadratkilometer des Naturschutzgebiets Hohes Venn sind verbrannt: eine Fläche so groß wie die Nordseeinsel Norderney.

"Da kann buchstäblich viel Geld vergraben werden, wenn man zu zeitig eingreift, die Witterung nicht da ist und der Boden noch gar nicht vorbereitet ist."
Jens Schröder, Professor für Waldökologie und Waldbaugrundlagen
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Die Brände, die wir in den Nachrichten sehen, sind oft Vollbrände, erklärt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jens Többen. Das heißt, die Bäume brennen von oben bis unten nieder. Nach dem Brand in Nordrhein-Westfalen gab es bedrückende Bilder, die verkohlte Baumstümpfe in einer noch verrauchten Umgebung zeigen. Auf den ersten Blick kann man nur Totholz und Asche erkennen, sagt Jens Többen, aber zum Teil steckt noch Leben, in manchen der Überreste.

Dem Wald Zeit zur Regeneration lassen

Beispielsweise können die Wurzeln mancher Laubbäume, wie der Zitterpappel oder der Birke, auch nach einem solchen Großbrand noch austreiben. Und der Wind trägt auch dazu bei, dass es wieder grüner werden kann, indem er Samen von Sträuchern und Bäumen aus der Umgebung verteilt. Oft braucht es somit nur etwas Zeit, bis der Wald beginnt, sich in Teilen wieder zu regenerieren.

In manchen Bundesländern wie Brandenburg gibt es ein Wiederbewaldungsgebot, das bedeutet, dass Waldflächen nach einem Brand innerhalb von 36 Monaten wieder aufgeforstet werden müssen. Statt abzuwarten, dass sich das abgebrannte Gebiet von selbst etwas erholt, wird zeitnah neu begrünt.

"Der Baum ist an der Oberfläche verbrannt, aber er kann sich fortpflanzen, Nadelbäume können das in der Regel nicht."
Jens Többen, Deutschlandfunk Nova

Wie sinnvoll so eine schnelle Bepflanzung ist, hat Jens Schröder, Professor für Waldökologie und Waldbaugrundlagen, in einem größeren Forschungsprojekt untersucht. Ein abgebranntes Waldstück in Brandenburg wurde dafür genutzt: Teile wurden neu bepflanzt, andere in Ruhe gelassen.

Die Aufforstung ist recht teuer und es zeigte sich, dass sie in solch einem Szenario nicht immer die beste Lösung ist. Denn die Sprösslinge sind nicht geschützt, wenn beispielsweise keine anderen Bäume da sind, die Schatten bieten, die Witterung nicht mitspielt und der Boden kaum Nährstoffe bietet. Solche Investitionen lohnen sich dann oft nicht, hat Jens Schröder mit seiner Untersuchung festgestellt.

"Drei Jahre sollte man der Natur Zeit geben, so der Konsens. Dann kann die Natur selbst wieder ein paar Nährstoffe und Schatten bieten", fasst unser Reporter Jens Többen die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts zusammen.

"Bei Laubwäldern hat man viel eher mal einen Schirm, der es darunter dunkler und länger feucht hält. Und so auch die Feuchtigkeit im Wald hält, die einen Brand verzögern oder verhindern kann.“
Jens Schröder, Professor für Waldökologie und Waldbaugrundlagen

Wann man mit der Aufforstung beginnen sollte, ist aber nicht die einzige Frage, die sich Ökologen stellen. Ob Totholz abtransportiert werden sollte oder nicht, ist ein weiterer wichtiger Punkt. Wenn man es verrotten lässt, kann es helfen, das Ökosystem zu stärken.

Allerdings können verkohlte Holzreste auch dazu beitragen, dass Brände schneller entstehen und sich ausbreiten können. Beides kann Vor- und Nachteile bringen. Deswegen greift man an Stellen mit wichtiger Infrastruktur schneller ein und räumt das Totholz weg, bevor man neue Bäume anpflanzt, erklärt Jens Többen.

Mischwald bevorzugt

Jens Schröder erforscht die Möglichkeiten, Wälder zu schaffen, bei denen die Brandgefahr minimal ist. Dabei hat sich gezeigt, dass Laubbäume einige Vorteile gegenüber Nadelbäumen bieten: Sie halten durch ihr Laubdach den Boden kühler und mehr Feuchtigkeit im Wald.

Das kann helfen, Brände zu verzögern oder zu verhindern, sagt der Professor für Waldökologie. Das Laub der Bäume wird zudem schnell in Hummus umgewandelt, wohingegen die Nadeln abfallen und auf dem Boden liegen bleiben und trocknen und einen Brandherd dadurch "befeuern" können. Nach einem Brand kann durch eine durchdachte Aufforstung also dafür gesorgt werden, dass die Brandgefahr verringert wird.

Shownotes
Brandgefahr minimieren
Worauf es beim Aufforsten ankommt
vom 19. August 2026
Moderation: 
Anke van de Weyer
Gesprächspartner: 
Jens Többen. Deutschlandfunk Nova