Ameisenbären faszinieren die Zoologin Lydia Möcklinghoff. Über ein Jahrzehnt lang reist sie schon nach Brasilien, um die Tiere, die sich ausschließlich von Ameisen und Termiten ernähren, zu beobachten.

Drei Monate im Jahr lebt Lydia Möcklinghoff im brasilianischen Pantanal, um Ameisenbären zu erforschen. Pantanal ist das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Erde. Seit 14 Jahren reist die Zoologin dorthin. Lydia Möcklinghoff glaubt, dass die Tierart besser geschützt werden kann, wenn wir mehr über sie wissen. Noch sei über den Ameisenbär wenig bekannt.

"Der Ameisenbär kann gut riechen, aber wenn er riecht, ist sein ganzes, kleines Gehirn – das ist nicht so unglaublich groß – aufs Riechen konzentriert. Dann kann er alles andere ausblenden."
Die Zoologin Lydia Möcklinghoff erforscht den Ameisenbären im brasilianischen Pantanal.

Der Ameisenbär hört und sieht nicht besonders gut. Dafür kann er gut riechen. Allerdings kostet das das Tier mit dem walnussgroßen Hirn auch viel Konzentration. Lydia Möcklinghoff glaubt, dass der Ameisenbär möglicherweise aufgrund seiner einseitigen Ernährungsweise – pro Tag verspeist er rund 30.000 Termiten und Ameisen – evolutionär nur wenig an Intelligenz hinzugewinnen konnte.

Mensch ist der Hauptfeind des Ameisenbären

Zu den Fressfeinden des Ameisenbären zählen der Puma und der Jaguar. Allerdings jagen die im Pantanal eher Schweine und Wasserschweine, weil die die leichtere Beute darstellen. Der Ameisenbär kann sich mit seinen scharfen Krallen erstaunlich gut verteidigen und den Jägern erhebliche Wunden zufügen. "Er ist keine angenehme Nahrung, besteht hauptsächlich aus Haaren, so irre viel ist nicht an dem dran", sagt die Zoologin Lydia Möcklinghoff. Einen Ameisenbären zu fressen, müsse sich anfühlen, wie auf einen Wattebausch zu beißen.

"Dieses Erbsenhirn bleibt natürlich stehen, wenn er denkt, er hätte was gehört."
Lydia Möcklinghoff, Zoologin

Viel gefährlicher ist für den Ameisenbären die Nähe zum Menschen. Viele Tiere werden überfahren, weil sie erst mal stehen bleiben, um sich zu orientieren, wenn sie das Geräusch eines heranfahrenden Autos wahrnehmen.

Zerstörung des Lebensraums

Ein anderes Problem für den Ameisenbären, wie auch für viele andere Tierarten ist, dass der Mensch seinen Lebensraum zerstört. Die Tiere brauchen viele verschiedene Lebensräume eng beieinander, sagt die Zoologin, um sich gut an die Hitze und Kälte anpassen zu können. Nach einem Kahlschlag, wenn große Waldstücke gerodet werden, hat der Ameisenbär ein echtes Überlebensproblem, sagt Lydia Möcklinghoff.

"Der Ameisenbär kann sich sehr gut verteidigen. Er hat fast zehn Zentimeter lange Krallen. Wenn er mitbekommt, dass jemand da ist, dann packt er unfassbar schnelle und beeindruckende Ninja-Moves aus."
Lydia Möcklinghoff, Zoologin