5G für 98 Prozent der Haushalte: Dazu sind die Betreiber der Mobilfunknetze eigentlich verpflichtet. Jetzt drohen Bußgelder. Ein Unternehmen steht besonders in der Kritik.

Eigentlich sind die Betreiber von Mobilfunknetzen in Deutschland dazu verpflichtet, gemeinsam 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit einem Zugang zu versorgen, der eine Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde ermöglicht - was dank des neuen Mobilfunkstandards 5G technisch eigentlich kein großes Problem darstellt. Theoretisch sind bei 5G bis zu zehn Gigabit, also das Hundertfache der vereinbarten Mindestgeschwindigkeit möglich.

Die Frist ist im Dezember 2022 abgelaufen. Nun erwägt die Bundesnetzagentur Bußgelder zu erheben, denn die Netzabdeckung mit 5G weist immer noch erhebliche Lücken auf. Mancherorts erreicht keines der Mobilnetze die geforderten 100 Megabit in der Sekunde.

"Es gibt laut Bundesnetzagentur noch jede Menge sogenannter weißer Flecken in Deutschland, wo keines der Mobilnetze 100 Megabit pro Sekunde schafft."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Bei den Bußgeldern der Bundesnetzagentur ist die Rede von bis zu 50.000 Euro pro Standort, sagt Michael Gessat. Darüber hinaus drohen Zwangsgelder und im Extremfall ein ersatzloser Verfall der ersteigerten 5G-Frequenz.

Gründe für verzögerten Ausbau

Die Provider melden als Begründung für den Verzug, sie hätten die Listen mit den unzureichend versorgten Gegenden zu spät bekommen. Außerdem sei der Aufbau von neuen Mobilfunkmasten an manchen Standorten schlicht nicht möglich, weil beispielsweise Grundstückseigentümer den Ausbau nicht zulassen.

Bei den drei großen Providern Telefonica, Telekom und Vodafone wären etwa jeweils 80 bis 115 neue Masten erforderlich, einige sind aktuell im Bau. Newcomer 1&1 hätte 1000 5G-Stationen errichten müssen, hat aber nur fünf geschafft – angeblich wegen Lieferproblemen beim Baupartner.

1000 neue Masten in 2023?

Das Unternehmen gehört seit 2019 durch den Erwerb von 5G-Frequenzen zum Kreis der Netzbetreiber. Michael Gessat weist darauf hin, dass sich 1&1-Chef Ralph Dommermuth kürzlich optimistisch gezeigt hat, die 1000 Sendeeinrichtungen 2023 errichten zu können.

"Ich denke, das ist zunächst mal ein Warnschuss der Bundesnetzagentur, vielleicht mit Hauptrichtung 1&1."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter