Mirca Lotz ist Bookerin und organisiert Festivals. Ihre Mission: Gleichberechtigung im Musikbusiness. Das heißt: Bei Festivals müssen genauso viele weibliche wie männliche Künstler auftreten. Wie sie das erreichen will, hört ihr im Interview.

Angefangen hat das alles damit, dass Mirca Lotz festgestellt hat, dass es in der Musikindustrie und bei Festivals viel zu wenige Frauen gibt. Sie zitiert dafür eine britische Statistik, derzufolge sind in der Musikindustrie rund 60 Prozent Frauen tätig. Wenn es aber in die oberen Bereich geht, in die Führungspositionen, dann sind dort plötzlich nur noch zu 30 Prozent Frauen vertreten. 

Darum hat sie "We make waves" ins Leben gerufen - ein Festival mit angeschlossener Konferenz. Dort sollen sich Frauen aus der Musikszene miteinander vernetzen und ein Forum bekommen, um ihre Ideen zu diskutieren. "Momentan liegt unser Fokus auf Musikerinnen und auf Menschen, die sich nicht in normale Geschlechterkategorien zuordnen lassen." Langfristig sollen bei "We make waves" auch Menschen aus anderen Kreativbereichen mitmachen - wie zum Beispiel aus der Filmbranche.

"Wir haben immer wieder gemerkt, dass man als Frau anders behandelt wird als als Mann. Und dann haben wir gedacht, das muss sich ändern. Wir sind jetzt immerhin im Jahr 2017."
Mirca Lotz über Gleichgeberechtigung in der Musikbranche

Die Qualität des Künstlers muss stimmen - egal ob Mann oder Frau

Wenn Mirca Lotz selbst Festivals organisiert, dann ist das wichtigste Auswahlkriterium für die Acts deren künstlerische Qualität. "Und bei den meisten Festivals braucht man natürlich einen Headliner, der Tickets verkauft."

Mirca achtet darauf, wenn sie ein Festival organisiert, dass sie männliche und weibliche Künstler zu gleichen Teilen bucht. Doch das ist nicht immer einfach. In den Charts gibt es in der Regel mehr Männer als Frauen. Und genau das spiegelt sich auch in der gesamten Musikszene wieder: Männliche Künstler sind präsenter als weibliche. Das heißt aber nicht, dass sie auch wirklich zu einem größeren Anteil in der Musikszene vertreten sind als Frauen. 

"Die Frauen sind da, werden aber nicht genauso gefördert wie Männer."
Mirca Lotz über Frauen und Männer in der Musikbranche

Das Problem, sagt Mirca Lotz, sei vielmehr, dass Frauen in der Musikszene weniger sichtbar sind. Dem möchte sie zum Beispiel mit "We make waves" entgegenwirken. Und es gibt mittlerweile auch gute Nachrichten: Festivals wie das B-Side in der Schweiz achten schon genau darauf, dass in ihrem Line-Up möglichst viele weibliche Künstler vertreten sind.