Wie super sind Superhelden? So super, dass man ihnen in Brooklyn, New York eine Statue aus Bronze hingestellt hat. Zwischen einer Beethoven-Büste und eine Abraham-Lincoln-Statue steht im Prospect Park nun auch Captain America. Unser Reporter Thomas Reintjes stellt sich dabei die Frage: was macht Captain America seit über 75 Jahren eigentlich so super?

Bei der Einweihung der Statue geht es natürlich nicht ohne Pathos. Aber es passt ja auch irgendwie. Schließlich ist Captain America so ziemlich der patriotischste Superheld, den man sich vorstellen kann. Das steckt ja schon im Namen. Brooklyns Bezirkspräsident hat dann noch eine Lage Pathos obendrauf geschmiert.

"I applaud the values of what Captain America stands for. The ultimate global icon of freedom, strength and doing the right thing. Values that we as Americans continue to uphold and defend."
Eric Adams, Bezirkspräsident, Brooklyn

Als unser Reporter Thomas Reintjes bei der Enthüllung der Statue im Publikum fragt, warum Captain America eine Statue verdient hat, erntet er erstmal lautes Lachen. Auch von DJ BenHaMeen.

Wie die meisten anderen Statuen auch, ist Captain America eben ein weißer Mann, sagt er. Allerdings:

"Even though I'm not a white male, I'm a huge fan of Captain America, still. And I like what he represents. He represents what America could be and not what America always is."
DJ BenHaMeen, einer, der auch bei der Enthüllung der Statue im Prospect Park war

Vor einiger Zeit hat der Comicverlag Marvel angefangen, auch einen schwarzen Amerikaner ins Captain-America-Kostüm zu stecken. Der Shitstorm war gewaltig.

Die richtige Entscheidung im richtigen Moment

Denn Captain America verteidigt die amerikanischen Werte und viele Superheldenfans können sich offenbar nicht vorstellen, dass das auch ein schwarzer Captain America kann. Unser Autor Thomas Reintjes fragt sich, was genau dahinter steckt. Bisher hat er nur einen einzigen Captain-America-Film gesehen und ein paar Artikel gelesen. Richtig begriffen hat er die Faszination noch nicht. Um das herauszufinden, trifft sich Thomas am St. Francis College mit der Juristin Nickie Phillips. Die Frau hat zur Bedeutung von Superhelden-Comics geforscht und ein Buch über Recht und Gesetz in Comics geschrieben. Sie weiß, warum Leser Comichelden wie echte Helden verehren.

Nickie Phillips hat rausgefunden, dass Fans die Comichelden vor allem für ihr gutes Herz lieben - auch wenn sie vordergründig Macht oder Patriotismus symbolisieren. In den Geschichten der Comics offenbart sich dieser Charakterzug immer in dem apokalyptischen Moment der Krise. Genau dann, wenn es darum geht, die richtige
Entscheidung zu fällen, weiß der Superheld, was zu tun ist. Dieser Moment ist für Nickie Phillips besonders interessant, weil sie eben Juristin ist. Superhelden stehen oft über dem Gesetz, weil sie nur dann eingreifen, wenn die Protagonisten in den Geschichten mit den geltenden Gesetzen nicht mehr weiterkommen.

They wouldn't even be necessary if the law was effective in the first place. So there's a breakdown in the system and then the hero rises above.
Nickie Phillips, Juristin und Autorin des Buches "Comic Book Crime - Truth, Justice, and the American Way"

Was darf ein Superheld?

Doch Diskussionen darum, was ein Superheld darf oder nicht darf, werden in den Geschichten auch geführt. Sind brutale Verhörmethoden und Folter ok? Nicht immer sind die Fans glücklich mit den Handlungen von Captain America und seinen Freunden. Vor allem, wenn einer der Helden jemanden tötet. Nickie Phillips sagt, die Leser machen sich viele Gedanken darüber, wer töten darf.

Captain America ist gegen die Pflichtregistrierung aller Superhelden

Die Superhelden-Fans setzen sich also mit der Frage nach den amerikanischen Werten auseinander. Captain Amerika verteidigt diese seit 75 Jahren, seit 1941, gegen Nazis und Kommunisten. Aber sein Patriotismus ist nach 9/11 differenzierter geworden. Der Captain, eigentlich eine Art Supersoldat, geht jetzt auch schon mal auf Distanz. Er hat sich in den Comics beispielsweise gegen die Pflichtregistrierung aller Superhelden eingesetzt, die die Regierung gefordert hatte.