Die Stadt Chongqing in der Region Südwestchina hat 18 Millionen Einwohner – und ein Problem, das viele große Städte haben: Auf den Straßen ist die Hölle los. Der deutsche Konzern Daimler hat sich gedacht: Vielleicht haben die Chinesen ja Lust auf Carsharing: Seit dem Wochenende sind dort 400 Car2Go-Smarts unterwegs.

Daimler zeigt sich zuversichtlich, dass die Bevölkerung der südwestchinesischen Stadt das Angebot nutzen wird. Experten sind aber skeptisch: Der chinesische Carsharing-Markt tickt nämlich ganz anders als der in Europa oder den USA. Rund 400 blau-weiße Smarts in einer 18-Millionen-Stadt sind nicht viel. Zum Vergleich: In Berlin kommen auf 3,5 Millionen Einwohner 1200 Fahrzeuge von Car2Go. Bis zum Herbst soll die Flotte in Chongqing auf 600 Fahrzeuge erweitert werden. Die Autos sind mit dem Markenzusatz "JiXing" unterwegs, das heißt "Fahre direkt los".

"Carsharing in China ist ein schmaler Grat zwischen mutig, experimentell und verrückt."
Steffen Wurzel, DRadio Wissen China-Korrespondent

Die Wahl fiel auf Chongqing, weil die Stadtverwaltung dem Daimler-Konzern zusagte, dass die car2go-Autos im Stadtgebiet auch kostenlos parken können. Ein ähnliches Modell wie in Chongqing gibt es schon in Peking, dort sorgt es aber nicht für großes Aufsehen. Für ausländische Firmen ist es in China nicht gerade leicht, Geschäfte zu machen. Weil die Firmen häufig nicht willkommen sind.

Keine Lust auf Shared Economy

"Den meisten Chinesen ist es wichtig, Dinge zu besitzen und das auch zu zeigen: Die neuste Uhr, das Handy und natürlich: Das Auto."
Steffen Wurzel

Außerdem sprechen Experten von einer vertrauensschwachen Gesellschaft: Leute misstrauen sich also eher als dass sie sich vertrauen. Das zeigt sich dann auch bei Autos, die von anderen mitgenutzt werden.