Mehr testen! Das ist eine Forderung, die man im Verlauf der Corona-Pandemie immer wieder hört. An einem Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern kann sich jeder, der will, selbst testen. Das Ergebnis kommt nach einem Tag per E-Mail.

Es sei "wie ein Kiosk", der geöffnet hat, sagt Schulleiter Heny Tesch – und meint damit das Zelt, beziehungsweise den Raum, in dem sich jeder am Carolinum in Neustrelitz selbst auf Coronaviren testen kann.

Kooperation mit Biotech-Unternehmen

Es ist ein Angebot, von dem viele an der Schule Gebrauch machen: Zwischen 60 und 85 Prozent der Schülerinnen, Lehrkräfte und Angestellten nutzen die Tests, wie Heny Tesch erklärt. Denn die freiwilligen Tests an seinem Gymnasium gibt es schon seit Ende April. Sie werden von einem privaten Biothechunternehmen zur Verfügung gestellt.

"Es gibt Sorgen und Vorerkrankungen in den Familien."
Heny Tesch, Schulleiter am Carolinum in Neustrelitz

Den Abstrich macht jeder bei sich selbst, das könne man den Schülerinnen und Schülern zutrauen, so der Schulleiter. Dabei ginge es den meisten weniger um die eigene Gesundheit, sondern oft vielmehr um die von Freunden oder Familienangehörigen mit Vorerkrankungen, sagt Heny Tesch.

"Ich denke, am Freitag werden wir wieder zwischen 60 bis 85 Prozent landen, das ist so die Erfahrung aus dem letzten Vierteljahr."
Heny Tesch, Schulleiter am Carolinum in Neustrelitz

Das Modell aus Neustrelitz könnte auch für andere Schulen ein Vorbild sein. Anfragen aus vielen Bundesländern haben Heny Tesch in den vergangenen Monaten erreicht. Selbst die New York Times hat über das Carolinum berichtet. Die Tests seien ein Element im Hygienekonzept der Schule, das im Zweifelsfall darüber entscheiden könne, ob man bei einer Infektion gleich die ganze Schule schließen müsse oder nicht, erläutert der Schulleiter.

Bisher kein Test positiv

Dabei gibt es in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Bundesländern nach wie vor sehr wenige Corona-Infektionen: Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGuS) gab es dort seit März insgesamt 880 Fälle. An Heny Teschs Schule war bislang kein Test positiv. Das Gymnasium startet jetzt mit dem Modell systematischer Coronatests ins neue Schuljahr.

Kritik an der Initiative gibt es aber auch: So sagte Maik Walm von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), solche Tests seien ungerecht – sie müssten allen Schülerinnen und Schülern offenstehen, nicht nur denjenigen an einem ausgewählten Gymnasium.