Die USA haben viele Probleme, und zwar auch wegen Donald Trump, sagt die Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver-Ashbrook. Sollte Joe Biden die Wahl gewinnen, müsse er erst einmal viel reparieren.

Die USA stehen vor einer Präsidentschaftswahl, deren Ausgang vom aktuellen Präsidenten nicht unbedingt akzeptiert werden wird. Die Corona-Pandemie trifft die USA auch aufgrund von Entscheidungen der Regierung so hart wie wenig andere Länder weltweit. Der Rassismus ist ausgeprägter als früher, Umwelt- und Klimaschutzbestimmungen werden zurückgenommen.

"Es hat eine Aushöhlung des Staatssystems stattgefunden."
Cathryn Clüver-Ashbrook, Politikwissenschaftlerin an der Harvard Kennedy School in Cambridge

Selbst wenn die Demokraten die Wahl gewinnen und Joe Biden Präsident werden sollte – "die kommenden vier Jahre werden nicht einfach", sagt Cathryn Clüver-Ashbrook, Politikwissenschaftlerin an der Harvard Kennedy School in Cambridge, Massachusetts. Denn Joe Biden müsse nicht nur die vielen Probleme in den USA und international angehen, er müsse auch das reparieren, was Trump zerstört hat.

Cathryn Clüver-Ashbrooks Analyse von Trumps Politik: Er will ein weißes Amerika, angelehnt an die Werte der 1950er-Jahre. Das umfasst zum Beispiel ein traditionelles Rollenbild der Frau, keine Gleichstellung von Weißen und Schwarzen und einem Energiesystem, das komplett auf Kohle, Erdöl und Gas ausgelegt ist – im besten Fall alles im eigenen Land gefördert. Umwelt- und Naturschutz spielten dabei keine Rolle.

"Der Umbau des US-amerikanischen Justizsystems durch Trump und seine Mitarbeiter war recht schlau und strategisch – zumindest aus Sicht der Konservativen."
Cathryn Clüver-Ashbrook, Politikwissenschaftlerin an der Harvard Kennedy School in Cambridge

Trump ist "beratungsresistent" und "komplett auf sich selbst fixiert", sagt Cathryn. Er lese keine Briefings, und das ist auch ein Grund für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie. Aber: Selbst manche ältere Trump-Anhänger seien inzwischen skeptisch geworden, weil sie sich in Sachen Corona von Trump alleine gelassen fühlten.

Im Gespräch mit Deutschlandfunk-Nova-Moderator Sebastian Sonntag erzählt Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver-Ashbrook, warum sie von Deutschlands Umgang mit der Corona-Pandemie angetan ist, sich in den USA dagegen "bedroht" fühlt, und warum die Neu-Besetzung des Richterpostens am obersten amerikanischen Gerichtshof so wichtig ist (Play-Button oben auf der Seite).