Nico Elsner ist für die CDU in Sachsen-Anhalt angetreten – und nicht in den Landtag gekommen. Jetzt ist er sauer auf die eigene Partei und Friedrich Merz. Wo ist die CDU falsch abgebogen? Und wird der Absturz auch für den Kanzler zum Problem?
Rund 20 Prozentpunkte hat die CDU in Sachsen-Anhalt verloren: Anlass für Bundeskanzler Friedrich Merz nach den Gremiensitzungen der CDU während einer Pressekonferenz öffentlich an seiner Kommunikationsfähigkeit zu zweifeln.
Auch wenn der 25-jährige Nico Elsner nun nicht den Rücktritt des Kanzlers fordern will, kritisiert er seinen Parteivorsitzenden hart: "Es würde mir schon reichen, wenn er anfängt, zu arbeiten. Und vielleicht eine Art Kommunikations- und Empathieseminar."
Eine harte Niederlage
Nico Elsner ist Landesvorsitzender der Jungen Union in Sachsen-Anhalt, das ist die Nachwuchsorganisation der CDU.
"Wenn man über 20 Jahre regiert hat und sich dann nahezu halbiert und nur halb so stark ist wie die AfD, dann ist das ein Schlag ins Gesicht."
Er hatte sich vor der Wahl für eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD ausgesprochen – entgegen der Parteilinie, die eine Zusammenarbeit mit AfD und Die Linke seit 2018 kategorisch ausschließt.
Nico Elsner widerspricht Friedrich Merz in einem weiteren Punkt. Keineswegs habe die Junge Union in Sachsen-Anhalt den Landesvorsitzenden der CDU und Ministerpräsidenten demontiert: "Wir haben Sven Schulze die letzten Wochen und unsere Direktkandidaten überall unterstützt." Nach der Wahlniederlage müsse der Landesvorstand in Gänze die Verantwortung übernehmen.
"Die sehen immer, dass bei ihnen gespart wird, aber können nicht erkennen, wo jetzt die Vorteile für sie sind. Und das ist eine Frage der Kommunikation."
"Die nächsten Landtagswahlen werden entscheidend sein. Auch für die CDU, auch für Friedrich Merz, für die Koalition", sagt Katharina Hamberger. Sie berichtet als Korrespondentin für Deutschlandfunk Nova in Berlin.
Zwei Wahltermine kommen noch
Dort und in Mecklenburg-Vorpommern stehen noch im September 2026 Wahlen an. In Mecklenburg-Vorpommern könne es passieren, dass es noch mal nach unten geht für die CDU. Es wäre ein Drama, wenn sie den Sprung in den Landtag nicht schaffe, findet Katharina Hamberger.
"Ich glaube, dass es gefährlich werden könnte für Friedrich Merz, dass es schon Leute gibt, die sagen, mit diesem Kanzler wird's nichts mehr."
Sie erinnert daran, dass Kanzler in der Bundesrepublik Deutschland nicht einfach getauscht werden können. Friedrich Merz könne jederzeit die Vertrauensfrage im Bundestag stellen. So kann er eine Bundestagswahl auslösen. Für einen Wechsel des Bundeskanzlers ohne Neuwahlen braucht es im Bundestag eine Mehrheit für ein konstruktives Misstrauensvotum – dazu allerdings auch die passende, mehrheitsfähige politische Person.
Über zwei Männer werde immer wieder gesprochen, sagt Katharina Hamberger: über den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) und den bayerischen Markus Söder (CSU). Reale Machtoptionen sieht sie allerdings momentan für keinen der beiden.
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