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Ihr Umgang mit Sexualität und sexualisierter Gewalt entscheidet über den Weg der katholischen Kirche, sagt Christiane Florin. Und eine Generalsekretärin schaffe noch keine Gleichberechtigung.

Sexualisierte Gewalt und ihre Vertuschung, patriarchale Strukturen und immer weniger Gläubige – die katholische Kirche kämpft gegen gravierende, strukturelle Probleme. Am 25.02.2021 ist die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu Ende gegangen. Dort wurde mit Beate Gilles zum ersten Mal eine Frau als Generalsekretärin gewählt, die Bischöfe haben im Videochat diskutiert und Rainer Maria Kardinal Woelki hat einen Video-Impuls veröffentlicht.

"Auf mich hat die ganze heutige Pressekonferenz so gewirkt, als guckte ich da in ein Paralleluniversum der frohen, und der halbfrohen Botschaften."
Christiane Florin, Dlf-Redaktion Religion und Gesellschaft

Für die Journalistin Christiane Florin aus der Deutschlandfunk-Redaktion "Religion und Gesellschaft" ist der Umgang der katholischen Kirche mit sexualisierter Gewalt und deren ehrliche Aufklärung ein Gradmesser dafür, ob diese Institution wirklich auf einem guten Weg ist. Das bedeute dann aber auch an den Grundfesten zu rütteln, an den Machtverhältnissen etwas zu verändern.

Stabile Machtverhältnisse

Selbst bei den sogenannten reformorientierten Bischöfen in Deutschland sei davon zum Abschluss dieser Bischofskonferenz nichts zu bemerken gewesen.

"Über Sexualität anders zu sprechen, anders zu denken, anders zu lehren, das kann eben die katholische Kirche nicht."
Christiane Florin, Dlf-Redaktion Religion und Gesellschaft

Christiane Florin sagt, die Berufung von Beate Gillles sei einerseits Symbolik, andererseits sei es schon eine Veränderung, wenn in Zukunft zu der Gruppe von 68 Bischöfen oder von 27 Diözesanbischöfen gelegentlich eine Frau hinzukommt. Die katholische Kirche sei allerdings noch sehr weit davon entfernt, dass Frauen innerhalb der Kirche werden können, was sie wollen und wofür sie qualifiziert sind.

"Dass es eine Generalsekretärin gibt, hat noch gar nichts mit Gleichberechtigung zu tun."
Christiane Florin, Dlf-Redaktion Religion und Gesellschaft

Auf Reformbewegungen von Frauen, wie etwa Maria 2.0, reagierten Bischöfe grundsätzlich auf zwei weit verbreitete Arten: komplett abblocken oder bewerten, ob die Frauen das überhaupt machen dürfen.

Kirchenaustritte und Serverüberlastung

Christiane Florin weist darauf hin, dass Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, auf die Zahl der Kirchenaustritte während der Abschlusspressekonferenz eingegangen ist, konkret auf den temporären Zusammenbruch städtischer Server.

Der war offenbar zustande gekommen, weil zu viele Menschen die Buchungsseite für Kirchenaustritte aufgerufen hatten. Ein faktischer Anstieg der Austritte ist bislang wohl noch nicht zu beobachten, könnte sich aber wohl noch im Verlauf des Jahres noch einstellen.

Kirchenaustritte nach Konfessionen bis 2019 in Deutschland
© EKD; DBK
Kirchenaustritte nach Konfessionen bis 2019 in Deutschland