Ein kleines, in deinen Browser integrierbares Werkzeug, wird das Clickbaiting erkennen, das dich nervt.

Jeder, der in den Social Networks unterwegs ist, wird sie kennen: nervige Sensationsüberschriften wie "Dieses Video hat mich zu Tränen gerührt" oder "Der häufigste Grund für Seitensprünge wird dich überraschen". Dahinter verbirgt sich so gut wie nie etwas wirklich Spannendes und Substanzielles. Die Überschriften dienen nur dazu, möglichst viele User auf die eigene Seite zu locken und dadurch mehr Werbeerlöse zu erzielen.

Martin Potthast hat dieses sogenannte Clickbaiting so sehr genervt, dass er inzwischen selbst dagegen vorgeht.

"Was mich nervt, ist, dass es verschleierte Werbung ist."
Martin Potthast

Der Medieninformatiker entwickelt zusammen mit seinen Kollegen von der Bauhaus-Universität Weimar einen Clickbait-Filter. In einer Pilotstudie haben die Wissenschaftler schon einmal mithilfe von Probanden untersucht, was Clickbait überhaupt ist. Mit Unterstützung einer 50.000-Euro-Geldspritze von Googles "Digital News Initiative" wollen Martin und seine Kollegen in den nächsten Monaten einen Filter-Prototypen entwickeln.

Clickbaiting wird vermutlich zunehmen

Diese ganze verschwendete Zeit, die man aufwendet, um auf verschleierte Werbung zu klicken, wird künftig vermutlich noch mehr werden. Denn Clickbaiting nimmt zu. Auch von seriösen Medien. Nun arbeitet das Team gerade daran, dass das Tool die Trennschärfe zwischen Werbetexten und klugen Inhalten erkennt. Die Befürchtung dabei ist, dass kreative Journalisten betroffen sein könnten. Die, die zum Beispiel einen Witz in die Überschrift texten und deshalb von dem neuen Tool aussortiert werden könnten.

Zur weiteren Entwicklung wird eine Tweetsammlung von einer Woche als Fundus genutzt. Damit soll der Stil quantifiziert werden. Um diese Quantifizierung durchzuführen, werden beispielsweise Lesbarkeitsformeln genutzt und Verfahren, die einschätzen können, ob eine Nachricht positiv oder negativ ist.

Clickbait hat das Potenzial, der neuen Spam zu werden

Dass sich das Problem durch genervte Nutzer von selbst erledigt und die Clickbait-Anbieter diese Form der Werbung einstellen, ist unwahrscheinlich. Auch Spam nervt die ganze Welt und trotzdem gibt es ihn immer noch. 80 bis 90 Prozent aller versendeten Mails sind Spam und das Einzige, was uns schützt, sind Spamfilter.

„Mit Pech kann es auch sein, dass Clickbait zum neuen Spam der sozialen Medien wird.“
Martin Potthast

Frühstens Ende des Jahres soll der neue Filter fertig sein.