Viele Menschen haben ernste Probleme wegen Corona: Sie sind auf Teilzeit, haben vielleicht ihren Job verloren. Es gibt aber auch Menschen, die gerade bezahlt werden wie immer – und sich massiv langweilen.

Die Maßnahmen infolge der Corona-Pandemie haben eine riesige Schere geöffnet: Während sich die einen zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung zerreißen, andere wegen Kurzarbeit oder Jobverlust nicht wissen, wie es finanziell weiter gehen soll, gibt es auch die anderen. Diejenigen, bei denen alles entspannt weiter läuft, weil der Job sicher ist und die sich sogar langweilen – weil sie nichts zu tun haben.

Can geht es zum Beispiel so. Ihm ist langweilig im Job: "Wenn du vorher vielleicht hundert Mails pro Tag gekriegt hast, dann kriegst du jetzt nur noch zehn", sagt der Ingenieur. "So zieht sich das dann halt auch über den ganzen Tag." Can sucht sich nun Aufgaben, für die er sonst im Alltag keine Zeit hat, aber dennoch nagt die Situation an ihm.

"Man ist einfach permanent gelangweilt. Man hat wenig zu tun, man hinterfragt auch ein bisschen mehr die Sinnhaftigkeit von allem."
Can, Ingenieur

So investiere er nun in seine paar Aufgaben besonders viel Zeit, mehr als dafür eigentlich nötig wäre, einfach um überhaupt etwas zu tun zu haben und den Tag irgendwie rumzubekommen. "Man ist einfach permanent gelangweilt", sagt Can. "Man hat wenig zu tun, man hinterfragt auch ein bisschen mehr die Sinnhaftigkeit von allem."

Langeweile ist keine Entspannung

Grundsätzlich sind wohl die meisten Menschen an Stress im Job gewöhnt. Viele sehnen sich sicherlich auch nach etwas weniger Arbeit und etwas mehr Entspannung. Doch Langeweile und Entspannung sind zwei unterschiedliche Dinge, sagt die Philosophin Rita Molzberger: "Wenn wir entspannt sind, dann wissen wir: Es war vorher spannend, es wird nachher spannend – in der Langeweile wissen wir das nicht."

In der Langweile seien Vergangenheit und Zukunft ganz weit von uns weg – da fühlten wir uns ausgeliefert. Kurz gesagt: Die Zeit steht still.

"Wenn wir entspannt sind, wissen wir: Es war vorher spannend, es wird nachher spannend – in der Langeweile wissen wir das nicht."
Rita Molzberger, Philosophin

Nach Ansicht von Rita Molzberger gibt es drei verschiedene Arten von Langeweile:

  1. Die situative Langeweile, etwa wenn wir auf den Bus warten
  2. Die Monotonie, wenn wir eine öde Aufgabe wieder und wieder erledigen müssen
  3. Die existenzielle Langeweile, in der einem gefühlt klar wird, in was für einem sinnlosen Dasein man gerade steckt

Ein Tipp gegen die Langeweile

Was wir gegen diese Job-Langeweile tun können: Bewusst machen, was wir als langweilig empfinden und was nicht.

"Also ein Klarwerden über das, was wir als besonders sinnstiftend empfinden", sagt Rita Molzberger, "daran können wir uns in Momenten der Langeweile erinnern und paradoxerweise sind diese Momente dann eigentlich wertvoll." Denn dann könnten die Gelangweilten die Zeit nutzen und darüber nachdenken, wie sie kreativ mit der Situation umgehen sollen.

So kann die Langweile eine Chance sein, die zermürbende Situation zu ändern.