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Der Lockdown soll offenbar noch bis Ende März mit ein paar Lockerungen weitergehen. Der Einzelhandel fordert, wieder öffnen zu dürfen. Die Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hingegen macht sich Sorgen.

In Deutschland gibt es mehr als 70.000 Corona-Todesfälle (Stand: 02.03.2021). Jeden Tag werden mehrere tausend Neu-Infektionen von den Gesundheitsämtern gemeldet. Trotzdem ist das Wort "Lockerungen" in aller Munde.

Vor allem viele Menschen im Einzelhandel wünschen sich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer weitere Lockerungen der aktuellen Corona-Maßnahmen beschließen. Inzwischen ist eine Vorlage bekannt geworden, die am Mittwoch, 02.03.2021, von ihnen beschlossen werden soll. Die sieht eine teilweise Lockerung der Kontaktbeschränkungen vor und eine schrittweisen Öffnung von Handel, Kultur und Sport, abhängig von den Infektionswerten.

Stefan Genth, Handelsverband Deutschland
"Wir stehen hinter den Maßnahmen, wir sind noch lange nicht durch diese Pandemie durch, das Virus bleibt, das wird auch nächstes Jahr noch da sein."

Nach den Friseurinnen und Friseuren sollen bundesweit Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte aufmachen dürfen, danach der weitere Einzelhandel. Der hofft bereits lange auf weitere Lockerungen. "Viele Einzelhändler stehen vor dem Ruin, vor dem Rande ihrer Existenz", erklärt Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland. Er vertritt den Einzelhandel in Deutschland, die große Supermarktkette so wie den kleinen Klamottenladen nebenan.

Handelsverband fordert Öffnungen im Einzelhandel

Er sagt, dass die geschlossenen Läden keine gute Maßnahme seien, die Corona-Pandemie einzudämmen: "Wir stehen hinter den Maßnahmen, wir sind noch lange nicht durch diese Pandemeie durch, das Virus bleibt, das wird auch nächstes Jahr noch da sein." Aber die Hygienekonzepte im Einzelhandel würden funktionieren. Deswegen fordert er: Wir können nicht weiter schließen, wir müssen jetzt öffnen, wirtschaftlich ist das nicht weiter tragfähig.

Normalerweise gebe es im Einzelhandel jeden Tag 50 Millionen Kundenkontakte. 40 Millionen davon im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten, der Rest im Non-Food-Bereich, Kleidungsgeschäfte, Buchläden, Möbelhäuser und so weiter. Vom Lockdown direkt betroffen ist nur der Non-Food-Bereich. "Also hat man nur 20 Prozent der Kontakte eingeschränkt", sagt Stefan Genth. Zudem sind immer noch Büros geöffnet, Fabriken ebenso.

Intensivmediziner fordern noch mindestens drei Wochen Lockdown

Christian Karagiannidis von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Divi sieht das anders: Wir brauchen noch mindestens drei Wochen Lockdown, damit die Lage auf den Intensivstationen nicht eskaliert.

Grundsätzlich hat er Verständnis für den Einzelhandel. "Wir sprechen uns nicht ganz grundsätzlich gegen irgendwelche Lockerungen aus", sagt Christian Karagiannidis. "Aber wir sprechen uns ganz stark dafür aus, dass wenn man das tut, das mit einer extremen Disziplin einhergehen muss."

Christian Karagiannidis, Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
"Wir werden extrem viel Impfstoff zur Verfügung haben."

Denn wichtig sei es, eine dritte Corona-Welle so lange wie möglich aufzuhalten: "Dann könnten wir vermeiden, dass wir nochmal eine Spitzenbelastung auf den Intensivstationen sehen." Je länger die dritte Welle aufgehalten wird, umso mehr Menschen sind geimpft.

Der Intensivmediziner blickt hoffnungsvoll auf die Imp-Situation: "Wir hatten am Anfang die Situation, dass wir zu wenig Impfstoff hatten, aber das wird sich aber aller Voraussicht nach sehr schnell auflösen. Wir werden extrem viel Impfstoff zur Verfügung haben." Für die Intensivstationen sei es besonders wichtig, dass Menschen über 50 geimpft werden.

Denn: Wenn der R-Wert wieder stark nach oben geht, also eine Person statistisch gesehen mehr Personen ansteckt, dann werden mehr Patientinnen und Patienten im Alter von 50 bis 70 Jahren auf den Intensivstationen landen. "Das wollen wir nicht sehen", sagt Christian Karagiannidis, "das müssen wir verhindern".

"Wenn der R-Wert wieder stark nach oben geht, egal durch welche Maßnahmen, die ergriffen werden, dann werden wir zwangsläufig mit Patienten auf der Intensivstation geflutet, die alle so im Alter von 50, 60, 70 sind."
Christian Karagiannidis, Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alle aufatmen können. "Aus der Vergangenheit wissen wir, dass insbesondere die Hausärzte einen ganz großen Stellenwert bei der Imfpung haben und wir das jedes Jahr mit der Grippeschutzimpfung oder mit Impfung gegen Lugenentzügung extrem gut und extrem schnell hinbekommen." Wenn auch in Praxen geimpft wird, dürfte viele Menschen sehr schnell geimpft werden können.

Der Arzt glaubt nicht, dass die Corona-Maßnahmen weiterhin streng bleiben, er rechnen mit Lockerungen: "Der Druck aus der Wirtschaft ist zu hoch." Aber er fordert:

  1. In alle Lockerungen müssen gute Kontrollen eingebaut werden.
  2. Die Hausärzte sollen so schnell wie möglich an Impfungen beteiligt werden.

Der kommende Monat sei entscheidend für die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland: "Wir müssen den R-Wert die nächsten drei, vier Wochen wirklich unter Kontrolle halten!"