Trotz der umfangreichen Rückholaktionen wegen Sars-CoV-2 sitzen noch immer Deutsche im Ausland fest. Zum Beispiel Sandra Wiesthal, hochschwanger, mit ihrer Familie in Marokko. Bis jetzt ist ihr die Ausreise nicht geglückt.

Sandra Wiesthal sitzt zusammen mit ihrem Mann und dem zweijährigem Sohn bei der Familie ihres Mannes in Merzouga fest, einem kleinen Ort in der Wüste im äußersten Osten des Landes. Sie ist hochschwanger, der errechnete Geburtstermin ist in vier Wochen, Mitte Mai.

Langer Weg zum Flughafen

Den letzten Rückholflug am 20.03.2020 hat die Familie verpasst, weil sie zu kurzfristig davon erfahren hat. Weil Merzouga aber so abgelegen ist, brauchen sie zwölf Stunden bis zum nächsten Flughafen. Und der Bus fährt nur einmal am Tag. Die Information sei zu spät bei ihnen angekommen, sagt Sandra Wiesthal.

"Wir haben von der deutschen Botschaft in Rabat die Information, dass nichts mehr passieren wird. Dass wir nicht ausreisen können und warten müssen."
Sandra Wiesthal, sitzt in Merzouga in Marokko fest

Die Botschaft habe ihnen gesagt, sie sollten warten, bis die Grenzen wieder geöffnet werde. Das solle angeblich am 30.04.2020 passieren, berichtet Sandra Wiesthal. Falls die Grenzschließung nicht verlängert wird. Anschließend sollte die Familie mit einem kommerziellen Flug oder einer Fähre ausreisen, sei ihnen gesagt worden.

Warten, bis die Grenzen öffnen

Theoretisch wäre das für die Familie in Ordnung, sagt Sandra Wiesthal. Da sie hochschwanger sei, habe sie aber eben nicht die Möglichkeit mit einem kommerziellen Flug auszureisen. Die meisten Fluggesellschaften nehmen Schwangere bereits ab der 35. Woche der Schwangerschaft nicht mehr mit. Und auch drei Tage auf einer Fähre könne sie dann auch nicht mehr machen, sagt Sandra Wiesthal. Aktuell sieht es danach aus, dass das Baby in Marokko zur Welt kommt. Es sei denn, das Auswärtige Amt organisiert doch noch Rückholflüge.

Leider sei es so, dass die deutsche Botschaft entweder kein Interesse habe, etwas zu unternehmen, oder es stecke ein anderer uns unbekannter Grund dahinter, hat Sandra Wiesthal am Sonntag (12.04.2020) bei Facebook gepostet. Alle gestrandeten Deutschen in Marokko würden sich vernetzen und Politiker, Ämter und Medien kontaktieren und versuchen Druck aufzubauen – auch mit einer Petition.

"Wir machen sehr viel Druck von hier aus."
Sandra Wiesthal, sitzt in Merzouga in Marokko fest

Scheinbar hat der Einsatz Erfolg. Nachdem sie zehn Tage nichts von der deutschen Botschaft gehört haben, hätte diese sich am 14.04.2020 wieder bei der Familie gemeldet: Aktuell werde mit der marokkanischen Regierung verhandelt, dass Deutschland doch noch Rückholflüge organisieren kann.

Diplomaten unter Druck

Er könne sich vorstellen, dass das diplomatische Personal in Marokko unter großem Druck steht, sagt Deutschlandradio-Sicherheitsexperte Marcus Pindur. Denn es seien ja bereits 4000 Deutsche von dort ausgeflogen worden . Mehrere hundert seien aber wohl noch im Land. Woran das im Einzelfall genau liegt, sei unklar. Es gebe etwa Unwägbarkeiten, auf die das Botschaftspersonal zunächst mal keinen Einfluss hat. Zum Beispiel, wann genau ein Rückflug organisiert werden kann. All das zu organisieren, sei kein kleines Unterfangen.

Marcus Pindur, Deutschlandradio-Sicherheitsexperte
"Die massenhaften Rückholaktionen bringen jede Verwaltung an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Man wird nicht für einzelne Touristen eine Chartermaschine losschicken können."

Weltweit hat die Bundesregierung bis Anfang April etwa 200.000 Menschen nach Deutschland zurückgeholt. Aktuell wird geschätzt, dass noch etwa 40.000 Deutsche im Ausland auf die Rückreise warten. Bereits jetzt seien 80 Prozent der betroffenen Deutschen wieder zurückgebracht worden, so Marcus Pindur. Auch bei kritischer Betrachtung müsse man festhalten, dass das organisatorisch und improvisatorisch eine Leistung sei. Das bedeute aber natürlich nicht, dass die Rückholaktionen im Einzelfall immer problemlos abliefen. Der Fall von Sandra Wiesthal beweist das.

Deutsche, die nach wie vor im Ausland sind und eine Heimreise wünschen, sollten: