Immer mehr Unternehmen verzichten auf das klassische Bewerbungsschreiben und setzen auf Fragebögen. Trotzdem lauern noch Fallen beim Bewerben. Eine Karriereberaterin verrät, worauf ihr achten müsst.

Bislang war es meist so, dass wir, wenn wir uns bei einem Unternehmen beworben haben, ein Anschreiben formulieren mussten. Und das ist mitunter ganz schön schwierig: Wie stelle ich mich dar? Was muss ich erwähnen? Was sollte ich lieber weglassen? Welchen Ton schlage ich an? Puh!

Und jetzt die gute Nachricht: Mehr und mehr Unternehmen sagen mittlerweile, sie brauchen kein Anschreiben mehr. Aber gleich schon die Warnung hinterher: Das heißt nicht, dass es jetzt leichter für euch wird!

"Anschreiben sind verhasst und verschrien, keiner mag sie, ganz wenige Bewerber*innen möchten sie gerne schreiben."
Silke Koppitz, Karriereberaterin

Das hat einen ganz praktischen Grund, erklärt die Karriereberaterin Silke Koppitz: Der Fachkräftemangel ist verantwortlich. Die Unternehmen hoffen, durch den Verzicht auf Anschreiben eine Hürde abzubauen und somit die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber zu erhöhen.

Anschreiben werden kaum gelesen

Tatsächlich mögen viele Personalerinnen und Personaler offenbar selbst keine Anschreiben. Silke Koppitz berichtet von Zahlen, die durchs Netz geistern und belegen sollen, dass Anschreiben nur sekundenlang überflogen werden, wenn überhaupt gelesen. Der Verzicht darauf ist also eine Win-Win-Aktion, könnte man meinen.

Trotzdem müssen die Personalentscheidenden irgendwie herausfinden, ob sie glauben, dass jemand auf den Job passen könnte und eingeladen werden sollte. Fachliches Know-how, persönliche Eignung, Motivation – all das interessiert sie nach wie vor.

Aus dem Lebenslauf alleine lässt sich das oft nicht erkennen. Deshalb, so die Karriereberaterin, wird das Anschreiben meist nicht ersatzlos gestrichen, sondern ersetzt durch konkrete Fragen.

Fragebögen ersetzen Bewerbungsanschreiben – aber nicht die Arbeit

Silke Koppitz meint: Das Wegfallen des Anschreibens ist nicht unbedingt ein Vorteil. Denn: Sie müssen natürlich trotzdem wissen, warum sie diesen Job wollen, warum sie in diesem Unternehmen arbeiten möchten und warum sie geeignet sind. Ob wir das in einem Anschreiben formulieren oder es in Antworten auf Fragen packen, mache letztendlich wenig Unterschied.

Die Fragebögen, die das Anschreiben ersetzen, sind unterschiedlich, sagt Silke Koppitz. Bei dem Unternehmen Otto etwa sei er sehr kurz – nur zwei Fragen ist er lang:

  • Warum dieser Job?
  • Warum Du?

Und im Grunde beinhalte dies genau das, was man sonst in ein Anschreiben hätte bringen müssen.

"Wichtig bei der Beantwortung der Fragen ist, dass man nicht im Urschleim anfängt."
Silke Koppitz, Karriereberaterin

Also auch hier gilt: vorher überlegen, mit welchen Argumenten ihr für euch werbt! Und dafür ist es wichtig, sich Folgendes anzugucken, rät die Karriereberaterin:

  • Wie lautet die Jobbeschreibung?
  • Welche Begriffe sind darin genannt?
  • Welche Fähigkeiten werden als wichtig erachtet?
  • Welche Erfahrungen sind gefragt?

Diese Keywords sollten sich dann auch in der Beantwortung der Fragen wiederfinden, genauso, wie es früher für Anschreiben empfohlen wurde.

So boostest du deine Bewerbung

Und wie kann man sich ohne individuelles Anschreiben noch von anderen abheben? Wie kann ich aus der Masse herausstechen?

  • Tipp 1: Ein wichtiger Weg, so Silke Koppitz, sind Mitarbeiterempfehlungen. Es sei hilfreich, in seinem Netzwerk zu schauen: Kenne ich jemanden, der bereits dort arbeitet und mich empfehlen kann?
  • Zweiter Tipp: Auch relevante Links können helfen. Habt ihr zum Beispiel mal in einem Podcast gesprochen, bei einer Messe was gesagt oder postet regelmäßig auf Linkedin? … natürlich etwas Fachliches, das zum Job passt, versteht sich!
  • Dritter Rat: Klarheit in der Formulierung ist besser als freche Ausdrücke.
  • Tipp 4: Auch die visuelle Aufbereitung ist wichtig, um das Geschriebene besser rüberzubringen. So könnt ihr Teile der Antworten gut in logische Absätze gliedern oder Aufzählungszeichen nutzen, damit die Personalerinnen und Personaler schnell das Wichtigste erfassen können.
"Klarheit ist immer ganz ganz wichtig! Was ist das Argument und welche Beweise kann ich dafür bringen?"
Silke Koppitz, Karriereberaterin

Und: Besser keine Massenbewerbungen raushauen. Das fällt zwar garantiert auch auf – aber negativ.