Viele füttern ein soziales Netzwerk jahrelang mit Fotos, Posts, Links und Videos. Aber was, wenn wir zu einem anderen Netzwerk umziehen wollen? Das muss laut DSGVO möglich sein - war bislang aber ziemlich kompliziert.

Ein Klick - und schon sind die Daten, die ich jahrelang bei Facebook hochgeladen habe, bei irgendeinem anderen sozialen Netzwerk meiner Wahl. Klingt super. Soweit sind wir aber dann doch noch nicht, sagt unser Netzreporter Andreas Noll. Immerhin aber hat Facebook jetzt angekündigt, dass wir unsere Fotos bald auf andere Plattformen schieben können. Testweise soll das Google Photos sein. Testen dürfen das zuerst die Nutzerinnen und Nutzer in Irland. Bis Herbst 2020 soll die Funktion weltweit verfügbar sein.

Dass Facebook das möglich macht, hat mehrere Gründe, sagt Andreas Noll. Zum einen wird diese Möglichkeit seit vielen Jahren von den Nutzenden gefordert. Außerdem bringt es positive Schlagzeilen, die Facebook aktuell gut gebrauchen kann. Zudem ist das Unternehmen dazu verpflichtet. Denn die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union definiert in Artikel 20 ein Recht auf Datenübertragbarkeit.

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Bereits wenige Monate nach Inkrafttreten der DSGVO hatten Google, Twitter, Facebook, Apple und Microsoft das Data Transfer Project gestartet. Darin haben die beteiligten Unternehmen verabredet, dass Nutzerinnen und Nutzer Daten wie Fotos, Mails, Kontakte oder auch Kalendereinträge "digital umziehen" können.

"Ganz wichtig dabei: Es geht nicht um den kontinuierlichen Austausch von Daten zwischen den Plattformen, sondern um einen einmaligen Transfer."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Dass wir unsere Daten bei einem Netzwerk herunterladen können, ist nichts Neues. Das Tool "Google Takeout" zum Beispiel gibt es bereits seit acht Jahren. Das Problem dabei: Die Daten können nicht problemlos bei einem anderen Dienst wieder hochladen werden. Da gab es bislang viele technische Hürden. Die soll das Data Transfer Project nun lösen. 2020 soll jeder von uns das testen können. Wichtig ist: Es geht beim Data Transfer Project um einen einmaligen Transfer unserer Daten von einer Plattform auf eine andere. Es geht nicht darum, dass sich die Plattformen dauerhaft untereinander austauschen.

Das Data Transfer Projekt ist erst ein Anfang

"Wenn das funktioniert", sagt Netzreporter Andreas Noll, "ist das für uns User schon eine Verbesserung.". Aber es gibt auch ein paar kritische Fragen. Zum Beispiel, ob auch kleinere Anbieter von der Initiative profitieren, oder ob sie eher dafür sorgt, dass unsere Daten zwischen wenigen großen Anbietern hin und her geschoben werden, die eh schon jede Menge Daten von uns haben. Die aktuelle Facebook-Initiative bietet beispielsweise nur einen Umzug zu Google Photos an, nicht aber zu Alternativ-Netzwerken wie zum Beispiel Diaspora.

Wie sich das weiterhin entwickeln wird, ist schwer zu sagen. Denn das Projekt steht erst am Anfang. Die Programmierinnen und Programmierer arbeiten aber weiter an den Schnittstellen, die den Austausch von Daten zwischen Diensten verbessern sollen, so unser Netzreporter. Aktuell wurden bereits über 42.000 Zeilen Code und mehr als 1500 Dateien für die Entwicklung angepasst.