Der ägyptische Fernsehjournalist Ahmed Mansur ist in Berlin festgenommen worden, die Militärregierung in Kairo fordert seine Auslieferung. Beobachter jedoch warnen, dass dem Al-Dschasira-Reporter in seiner Heimat ein unfairer Prozess droht.

Die Festnahme von Ahmed Mansur in Berlin hat für heftige Debatten gesorgt, denn der Haftbefehl gegen den bekannten Fernsehjournalisten kommt aus Ägypten. Die Justiz dort gilt vielen Beobachtern als verlängerter Arm der Militärregierung unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi und geht schon länger hart gegen Kritiker des Regimes vor. Hunderte sind bereits in international kritisierten Prozessen zum Tode verurteilt worden. Auch viele Journalisten leiden unter fehlender Meinungsfreiheit und Repressionen seitens der Regierung - besonders Al-Dschasira-Journalisten wie Ahmed Mansur.

​Keine Meinungsfreiheit in Ägypten

Hintergrund: Die ägyptische Regierung sieht den Fernsehsender Al Dschasira als Unterstützter der Muslimbruderschaft, die in Ägypten verboten ist. Außerdem gilt Al Dschasira als scharfer Kritiker des ägyptischen Präsidenten. Ahmed Mansur war für ein Interview in Deutschland und wurde am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen, als er von dort nach Katar fliegen wollte. Laut Bundespolizei liegt ein internationaler Haftbefehl gegen den Reporter vor, was dessen Anwalt jedoch bestreitet.

"Sollte an den Vorwürfen was dran sein, dann muss es einen Prozess in Deutschland geben. Was es in keinem Fall geben kann, ist, dass Ahmed Mansur nach Ägypten ausgeliefert wird. Was ihn dort erwartet ist alles andere als ein rechtsstaatliches Verfahren."
Cem Özdemir, Parteivorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

Ein Gericht in Kairo hat den Journalist im vergangenen Jahr zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er bei den Massen-Protesten vor vier Jahren einen Anwalt gefoltert haben soll - einige deutsche Politiker halten das Urteil jedoch für politisch motiviert. Die Grünen zum Beispiel warnen, Deutschland dürfe sich nicht zum Komplizen eines Willkürregimes machen.

In Berlin haben am Sonntag (21.06.2015) rund 100 Menschen dafür demonstriert, dass Ahmed Mansur freikommt. Das fordert auch die Organisation "Reporter ohne Grenzen“ sowie sein Arbeitgeber Al Dschasira. Ahmed Mansurs Anwalt hofft nun auf einen baldigen Haftprüfungstermin. Danach gibt es drei mögliche Szenarien: Mansur bleibt in Deutschland in Haft, er kommt frei oder er wird an Ägypten ausgeliefert.