Museen ermuntern gerade dazu, Artefakte aus dem Corona-Alltag einzuschicken oder zumindest aufzuheben. Ganz klar ist der Auftrag allerdings nicht und etwas lustig sind manche Ergebnisse auch.

Masken in allen erdenklichen Farben und Mustern, ein Bild eines Home-Office-Trainings-Set-Ups oder Warnschilder im Supermarkt: Alles Gegenstände aus dem Corona-Alltag, die in ein paar Jahrhunderten womöglich skurril und faszinierend daherkommen werden. Aber was davon ist wirklich etwas fürs Museum?

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Das haben sich auch einige Museen in Deutschland gedacht. Sie rufen dazu auf, Bilder und Gegenstände aus dem Corona-Alltag einzusenden oder hochzuladen. Das liegt auch daran, dass aus der letzten großen Epidemie in Europa nur wenig gesammelt wurde und man aus diesem Fehler lernen möchte.

Corona-Artefakte mit museologischem Kommentar

Das Landesmuseum Württemberg hat beispielsweise einen solchen Aufruf gestartet. Manches klinge noch ein wenig bizarr, gibt auch die Pressesprecherin des Museums zu. Manche der eingesendeten Dokumenten haben eher humoristischen Charakter, aber es ist auch der handschriftliche Tagesplan des Mädchens Clara darunter.

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Kuratorin Sabine Müller-Brem kommentiert das Objekt. Der Plan zeige, wie Menschen mit der Krise umgehen. Er biete Orientierung und Sicherheit.

"Claras Plan ist ein interessantes zeitgenössisches Dokument, das beispielhaft zeigt, wie wir mit der Krise umgehen. Ein strukturierter Alltag, wie ihn Clara in ihrer Tabelle aufstellt, bietet Orientierung und Sicherheit."

Wenige Objekte aus der Cholera-Epidemie

Das Medizinhistorische Museum Hamburg hat ebenfalls einen Aufruf gestartet. Hier gehe es aber zunächst mal darum, in der eigenen Buchführung so viele Gegenstände wie möglich zu erfassen und in Zukunft zu sehen, was davon die Krise überdauert oder eine besondere Rolle spielt.

Ein Motiv des Museums: Aus der Zeit der Choleraepidemie von 1892 in Hamburg, der 9000 Menschen zum Opfer gefallen sind, sei nur ein leere Flasche Desinfektionsmittel übrig.

Eine missverständliche Botschaft

Philipp Osten ist Direktor des Medizinhistorischen Museums der Hansestadt. Der Aufruf seines Museums habe auch einen problematischen Aspekt: Er sende die Botschaft aus, dass es sich bei der Pandemie um eine Phase handle, die auf absehbare Zeit ein abgeschlossenes Sammlungsgebiet ist.

"Covid-19 wird nie ganz vorbei sein, sodass dieser Aufruf, jetzt zu sammeln, doch echt ein Problem ist. Die Nachricht: Das wird irgendwann ein abgeschlossenes Sammlungsgebiet sein."
Philipp Osten, Direktor des Medizinhistorischen Museums

Er glaube allerdings nicht daran, dass das neuartige Corona-Virus so schnell wieder verschwinden werde. Es werde unser Leben vielmehr auf Dauer verändern. Für eine nur scheinbar abschließen Historisierung sei es also noch zu früh.