Mit dem Vertrag von Tordesillas teilten Spanien und Portugal die Welt unter sich auf – mit weitreichenden Folgen. So wurde das Gebiet des heutigen Brasiliens portugiesisch.

Als 1494 der Vertrag von Tordesillas zwischen Portugal und Spanien zustande kommt, ist die Welt im Umbruch. Papst Alexander VI., 1431 im spanischen Valencia geboren und aus der Adelsfamilie der Borgia stammend, ist ein einflussreicher Papst und eine der bestimmenden Persönlichkeiten im Italien der Renaissance.

Nachdem Kolumbus die Neue Welt Amerikas entdeckt hat und neue Kolonien im Süden des amerikanischen Kontinents locken, hatte der Papst schon ein Jahr zuvor – 1493 – mit einem Federstrich die Herrschaftsbereiche Spaniens und Portugals festgelegt. Die Trennlinie verlief etwa entlang der Kapverdischen Inseln und berührte nur einen kleinen Zipfel Südamerikas.

Ein Gewinn – auch für die katholische Kirche

Gegen diese Aufteilung der Welt legt der portugiesische König Johann II. Einspruch ein und erreicht nach zähen Verhandlungen, dass die Linie etwa 1800 Kilometer weiter nach Westen verschoben wird. Dadurch geraten weite Teile der brasilianischen Küste unter portugiesischen Einfluss.

Gebiete, die vorher schon von spanischen Eroberern besetzt worden sind, müssen umgehend zurückgegeben werden. Aber nicht nur die beiden Kolonialmächte profitieren von diesem Vertrag, sondern auch der Papst, denn in den neuen Kolonien sorgen Missionare dafür, dass die christliche Religion verbreitet wird und die katholische Kirche auf diese Weise bis heute Millionen Gläubige gewinnen kann.

  • Volker Reinhardt von der Universität Freiburg beschreibt Papst Alexander VI., der maßgeblich am Zustandekommen des Vertrags von Tordesillas beteiligt war.
  • Die Münchner Lateinamerika-Expertin Ursula Prutsch erläutert die Folgen des Vertrags für die südamerikanischen Länder und ihre Bewohner.
  • Der Historiker Stefan Rinke beschäftigt sich mit den langfristigen Folgen des Vertrags von Tordesillas.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die Lage am Beginn der Neuzeit, als nicht nur Amerika entdeckt wurde, sondern auch Renaissance und Humanismus die alte Welt in Frage stellten.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nadine Kreuzahler berichtet über den Vertrag, der die Welt in eine spanische und eine portugiesische Hemisphäre aufteilte.