Die Deutsche Bahn ist so pünktlich, wie lange nicht - sagt die unternehmenseigene Statistik. Toll! Bloß heißt das nicht unbedingt, dass wir auch pünktlich ans Ziel kommen.

Im Februar 2017 waren laut Bahnstatistik 86,4 Prozent der Fernzüge pünktlich - so viele, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Kurze Randnotiz: Bei der Deutschen Bahn ist ein Zug "pünktlich", wenn er weniger als sechs Minuten nach der geplanten Zeit im Bahnhof ankommt.

Ex-Bahnchef Rüdiger Grube hatte sich in seiner Amtszeit vehement dafür eingesetzt, Verspätungen zu reduzieren. Die Fahrtzeiten zwischen manchen Städten wurden verlängert - was die Züge insgesamt pünktlicher macht. Eine weitere Maßnahme: die Türen werden früher geschlossen - was allerdings dazu führen kann, dass ihr den Zug nicht mehr erwischt, wenn ihr zehn Sekunden vor Abfahrt zum Bahnsteig sprintet.

Die Statistik hört sich für uns Bahnkunden zunächst einmal super an - wir kommen pünktlicher ans Ziel. Allerdings: Wenn die Bahn ihre Abfahrtszeiten strikter durchsetzt, wartet sie auch seltener auf Anschlusszüge, und da ist der Haken, sagt DRadio-Wissen-Reporter Dominik Evers.

Was nicht mit eingerechnet wird

Ein Beispiel: Ihr bucht ein Ticket von Stuttgart nach Berlin und müsst in Mannheim umsteigen - Umsteigezeit sechs Minuten. Wenn euer ICE nach Mannheim aber acht Minuten Verspätung hat und der Anschlusszug nicht wartet, dann gilt der Anschlusszug in der Statistik zwar als pünktlich. Dass ihr am Ende aber eine Stunde später in Berlin ankommt, weil ihr den nächsten Zug nehmen müsst, wird in der Statistik nicht berücksichtigt. "Deswegen wird die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn auch oft kritisiert", so Dominik.

Baustellen und Nachschubprobleme

Für die Verspätungen der Bahn gibt es übrigens verschiedene Gründe: Oft sind Baustellen schuld - Züge müssen dann umgeleitet werden und unter Umständen langsamere Fahrstrecken nutzen. Aber auch veraltete Züge sind ein Problem. Viele Wagen der ICs kommen aus den 70er- und 80er-Jahren und sind störanfällig. Da hätte die Bahn in der Vergangenheit für mehr Nachschub sorgen sollen, sagt Karl-Peter Naumann von Pro Bahn.

"Man hätte zu dem Zeitpunkt mehr neue Züge bestellen müssen. Es dauert heute einige Jahre, bis man die Fahrzeuge hat."
Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn

Unwetter oder Suizide sorgen ebenfalls oft für Verspätungen. In einem Interview sagte der damalige Bahnchef Rüdiger Grube einmal, dass es jeden Tag elf Selbstmorde auf deutschen Bahnschienen gebe.