Die Bahn braucht dringend neues Personal – massenhaft und in allen Bereichen. Vom Lokführer bis zum Gleisbauer werden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht – 23.000 Menschen wurden bereits in diesem Jahr eingestellt. Es fehlt so viel Personal, dass das Unternehmen auch in Südosteuropa für sich wirbt.

Lokführerinnen, Fahrdienstleiter, Gleisbauerinnen – aber auch Fachleute für IT und den Elektrobereich oder Zugbegleiter: Die Deutsche Bahn braucht schnell neue Mitarbeitende. Und sie braucht viele. Allein in diesem und im kommenden Jahr geht es um rund 50.000 Stellen in dem Unternehmen. Und auch in den Jahren darauf, muss die Deutsche Bahn kräftig einstellen. Ein Grund: Von den rund 200.000 Menschen, die das Staatsunternehmen in Deutschland beschäftigt, geht etwa die Hälfte in den nächsten Jahren in den Ruhestand.

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Am Münchner Hauptbahnhof beglückwünschten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Personalchef Martin Seiler am Montag (09.12.) öffentlich die 23.000. Neueinstellung des Jahres: Die 26 Jahre alte Bauingenieurin Christina Hoiß.

"Der Personalkörper ist ausgeblutet, wir haben Fehlstellen in allen Bereichen: bei den Zugbegleitern, beim Fahrdienst, den Fahrdienstleitern, bei den Lokführern, in den Werkstätten, Signaltechniker, Gleisbauer...!"
Uwe Reitz von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG

Um den enormen Bedarf am Mitarbeitenden zu decken, wirbt die Bahn nicht nur in Deutschland für sich als Arbeitgeber, sondern auch in Südosteuropa, wie unser Reporter Pascal Fischer berichtet. Um den Einstieg zu erleichtern, verzichtet man außerdem inzwischen bei manchen Berufen auf schriftliche Bewerbungsbriefe. Die Bahn will zudem die jetzigen Mitarbeiter weiterqualifizieren und die Ausbildung modernisieren. Und: Sie lockt mit verbesserten Arbeitsbedingungen.

"Die Deutsche Bahn hat in der Tat unterschätzt, dass beim Wahlangebot mehr Geld oder mehr Freizeit so viele Leute mehr Freizeit wählen. Und in der Summe fehlen dann auch Arbeitsplätze."
Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband "Pro Bahn"

In den jüngsten Tarifverhandlungen haben die Gewerkschaften erstritten, dass die Mitarbeiter der Bahn 3 Prozent mehr Gehalt bekommen – oder mehr Freizeit. Sie können wählen. Dass nun viele auf mehr Freizeit setzten, verschärfe das Problem noch zusätzlich, meint Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband "Pro Bahn". Damit habe die Bahn nicht gerechnet.

Leute im Unternehmen halten

Insgesamt will die Bahn in den nächsten zehn Jahren rund 86 Milliarden Euro für neues Personal ausgeben. Ein Punkt, den Uwe Reitz von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG dabei wichtig findet, ist: Man müsse nicht nur neue Leute einstellen, sondern sie dann auch im Unternehmen halten. Er meint, die Bahn mute ihrer Belegschaft sehr viel Flexibilität zu, etwa in der Dienstplanung, die oft zu kurzfristig sei.

"Jemand, der hier im Unternehmen anfängt und feststellt, dass der Dienstplan, den er bekommt, in dem Moment, wo er ihn in den Händen hält, schon nicht mehr gültig ist, der macht das nicht lange mit."
Uwe Reitz von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG