Als Reaktion auf wiederholte Beleidigungen von Fußballfans gegen Dietmar Hopp hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder die Kollektivstrafe eingeführt. Es stellt sich weiterhin die Frage, wie der DFB mit Beleidigungen und Rassismus umgeht.

Was darf Fankultur? Wie soll sie in Deutschland aussehen? Wer bestimmt das? Die aktuelle Debatte um beleidigenden Fangesängen und Plakate gegen Dietmar Hopp, den Geldgeber der TSG Hoffenheim, hat viele alte Konflikte wieder aufgebrochen. "Dietmar Hopp ist eigentlich nur das Symbol. Denn er steht dafür, was die Ultras nicht mögen – nämlich die Kommerzialisierung des gesamten Fußballs", erklärt Dlf-Sportredakteur Maximilian Rieger. Auch in der Vergangenheit kam es immer wieder zu ähnlichen Beleidigungen seitens der Ultra-Bewegung.

Der Streit um die Kollektivstrafe

Die aktuelle Antwort des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) auf beleidigendes Verhalten ist das Wiedereinführen der Kollektivstrafe. Das bedeutet: Kommt es zu einem Fehlverhalten einzelner Fans, muss die gesamte Fangruppe die Konsequenzen tragen. Die reichen vom Schließen ganzer Blocks bis hin zu Geisterspielen. Im August 2017 hatte der DFB auf Drängen der Ultra-Bewegung vorerst auf die Kollektivstrafe verzichtet.

Mitte Februar 2020 hat das DFB-Sportgericht dann wieder eine Kollektivstrafe für die Fans von Borussia Dortmund (BVB) verhängt. Sie sind für zwei Spielzeiten im Auswärtsblock im Stadion der TSG Hoffenheim gesperrt, weil auch sie Dietmar Hopp mit Plakaten beleidigt hatten.

Daraufhin kam es in vielen Fußballstadien, unabhängig von Liga und Verein, zu Protestaktionen gegen die Kollektivstrafe seitens der Fans. Viele Fangruppen solidarisieren sich mit den Dortmunder Fans. "Ich bin mir nicht sicher, ob der DFB nicht unterschätzt hat, wie groß der Solidarisierungseffekt innerhalb der Fanszene ist", sagt Maximilian Rieger.

"Ich bin mir nicht sicher, ob der DFB nicht unterschätzt hat, wie groß der Solidarisierungseffekt innerhalb der Fanszene ist."
Maximilian Rieger, Dlf-Sportredaktion

Daher steht die Frage im Raum: Inwieweit sind Beleidigungen im Fußballstadion erlaubt und wie geht der DFB damit um? "Wenn der DFB sagt, er möchte ein beleidigungsfreies Stadion haben, ist das ein tiefer Eingriff in die Fankultur und da ist der DFB wenig auf die Fans zugegangen, um das mit ihnen zu besprechen", erklärt der Dlf-Sportredakteur.

DFB zeigt keine klare Haltung

In diesem Zusammenhang wird auch die Kritik immer lauter, wie der DFB mit Rassismus umgeht. Denn: Nachdem Ultras Dietmar Hopp während des Spiels von FC Bayern und der TSG Hoffenheim (29.02.20) beleidigt hatten, kam es erstmals zu einem Spielabbruch – nicht so bei rassistischen Vorfällen wie die gegen die Spieler Leroy Kwadwo oder Jordan Torunarigha.

"Ausgerechnet nach einer Beleidigung gegen einen weißen Milliardär kam es zu einer ersten Spielunterbrechung und nicht bei den rassistischen Vorfällen, zu denen es in den vergangenen Wochen kam."
Maximilian Rieger, Dlf-Sportredaktion

Hinweis: Unser Bild zeigt eine Protestaktion von BVB-Fans bei einem Spiel von Borussia Dortmund und Wolfsburg in der Spielzeit 2016/2017.