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Corona nervt genauso wie die Pandemie und der Lockdown. Seit Längerem geht nichts mehr außer meckern. Warum das Meckern wichtig für die Psyche ist und warum es noch besser ist, auf die Bedürfnisse hinter den Meckerthemen zu schauen, erklärt Psychologin Monika Fehrenbach.
Wer meckert, gilt oft als negativ. Positiv und glücklich sein ist ein Trend. Aber niemand kann dauerhaft glücklich sein. Schon gar nicht in einer Krise, in der wir durch Corona seit über einem Jahr stecken. Wie viel belastenden Themen sich bei euch angesammelt haben, habt ihr uns auf Instagram erzählt. Das haben wir zum Anlass genommen, mit Psychologin Monika Fehrenbach zu sprechen und dem Meckern auf den Grund zu gehen.

Worüber wir meckern zeigt unsere Bedürfnisse

Generell rät die Psychologin aber nicht immer nach demselben Muster los zu meckern, sondern seine Mecker-Gewohnheiten zu analysieren. Dazu gehöre zunächst die Frage nach den kurz- und langfristigen Konsequenzen. "Kurzfristig möchte ich wahrscheinlich Dampf ablassen", erklärt Monika Fehrenbach, "mit dem Ziel, eine Bindung zu dem Gegenüber herzustellen, sich verstanden zu wissen."

Meckern als Akt des Vertrauens

Darüber hinaus, meint Monika Fehrenbach, lohne es sich, sich darüber Gedanken zu machen, bei wem man seinen Frust ablässt. Grundsätzlich sollte es eine Person sein, die einen einfach mal "auskotzen" lässt oder, wie es Monika Fehrenbach sagt, bei der wir im Nachhinein keine negativen Konsequenzen fürchten müssen.
"Fürs Meckern sollte man sich eine Person suchen, bei man sich sicher und akzeptiert fühlt."
Monika Fehrenbach, Psychologin

"Außerdem", sagt die Psychologin, "kann ich mich fragen, was ich mir vom Meckern erhoffe. Genauso hilfreich kann es sein, mir einzugestehen, welche Reaktion ich mir von meinem Gegenüber wünsche." Das würde einem selbst viel über die eigenen Bedürfnisse in dem Moment verraten.

Wenn man das so betrachtet, ist Meckern also eine sehr intime Handlung, die viel über einen preisgibt. Vor dem Hintergrund rät Monika Fehrenbach, sich zu überlegen, ob es klug ist, vor dem eigenen Chef eine Hasstirade loszulassen. Denn diese Person bewertet einen aufgrund seiner oder ihrer Position eben doch - und bekommt vielleicht ein Bild von uns, das uns gar nicht entspricht.

Wenn meckern chronisch wird

Obwohl meckern also befreiend sein kann, besteht die Gefahr, dass das Meckern chronisch wird. Das ist nicht nur anstrengend für die Mitmenschen; negativ sein, tut einem selbst nicht gut.

"Meckern ist am Ende auch Stress für das System. Wer ständig meckert, betreibt regelrecht Raubbau an sich selbst."
Monika Fehrenbach, Psychologin

Deswegen rät Monika Fehrenbach eher zu einem konstruktiven Ansatz. Dazu gehört die Frage, was ich jetzt in diesem Moment tun kann, um mich aus der belastenden Situation rauszuholen. Eine andere Möglichkeit ist, seinen Fokus auf das zu lenken, was derzeit gut läuft oder wofür man generell dankbar ist im Leben.

In Bezug auf Corona, meint die Psychologin, könnte das bedeuten, sich zu fragen, was man in diesen Zeiten der Krise über sich selbst lernen kann. Außerdem kann es helfen, Pläne für die Zeit danach zu schmieden und dann endlich Dinge zu tun, die man vielleicht schon vor der Pandemie aufgeschoben hat.

"Meckern ist oft eine Art Ablenkung, um nicht nach einer Lösung für ein Problem zu suchen."
Psychologin Monika Fehrenbach über die negativen Konsequenzen des Meckerns

Und am Ende helfe es, sich zu vergegenwärtigen: Meckern führt uns eher in die Opferrolle. Auf lange Sicht resignieren wir, werden vielleicht krank. Daher plädiert Psychologin Monika Fehrenbach dafür, zu schauen, was einem die Unzufriedenheit sagen will und das als Hebel zu nutzen, um sein Leben wieder in die Hand zu nehmen.