Auch die Werbung will diverser werden. Bislang heißt das: Schwarze oder ostasiatische Personen werden als Models eingesetzt. Große Migrantengruppen in Deutschland wie die türkische oder arabischsprachige tauchen dagegen in der Werbung kaum auf. Deutschlandfunk Nova-Reporterin Minh Thu Tran hat nach dem Grund gefragt.

Andreas Donat ist Geschäftsführer der Casting-Agentur Fame On Me und weiß, welche Art Models nachgefragt werden. Fast jede zweite Anfrage richte sich an nicht-weiße Models und Models mit Behinderung. Das zeige, dass zwar eine Sensibilität für das Thema da ist, dennoch ist diese Vorstellung von Diversität noch recht einseitig.

"Ich kann den Hintergrund gar nicht genau beantworten, warum das so ist, aber die Nachfrage ist ganz klar asiatisch und dunkelhäutig."
Andreas Donat, Geschäftsführer der Casting-Agentur Fame On Me

Laut Statistik ist die türkische Migrantengruppe mit rund 1,5 Millionen Menschen die größte. Auch die Gruppe der arabischsprachigen Migranten übersteigt weit eine Million Menschen. Warum sie in der deutschen Werbung so eine geringe Rolle spielen, erklärt sich Andreas Donat damit, dass diese Gruppen sich optisch nicht so sehr von den weißen Deutschen unterscheiden.

Werbung meidet Gruppen, die diskriminiert werden

Ganz so einfach ist das nicht, sagt Emilia Roig. Sie ist Politologin und beschäftigt sich als Leiterin des Centre for Intersectional Justice in Berlin vor allem mit den Themen Rassismus und rassistische Diskriminierung. Sie stellt fest, dass schwarze Menschen in der Werbung häufig hellere Haut haben wie beispielsweise Sängerin Beyoncé. Menschen mit tief schwarzer Haut würden in der Werbung eher selten auftauchen.

Emilia Roig erklärt das damit, dass Unternehmen sich zwar diverser präsentieren wollen, trotzdem aber die Ähnlichkeit zum Weißsein suchen, also eher schwarze Menschen mit hellerer Haut und weniger krausen Haaren oder asiatische Menschen bevorzugen, die ihrer Vorstellung entsprechen. Deshalb arbeitet die Werbebranche viel mit "lightskinned black" und Ostasiatinnen.

Aber Rassismus ist nicht allein eine Frage der Hautfarbe. Bestimmte Gruppen, gegenüber denen es noch immer rassistische Vorurteile gibt, kommen in der Werbung so gut wie nicht vor, erklärt Emilia Roig.

"Viele Unternehmen wollen eben ihre Kundengruppen eben nicht triggern."
Emilia Roig, Politologin, Centre for Intersectional Justice

Weil es beispielsweise einen antimuslimischen Rassismus in Deutschland gibt, würden Unternehmen nicht wollen, dass diese Menschen in ihrer Werbung auftauchen, vermutet Emilia Roig. Sie fürchten negative Kundenreaktionen. Die Diversitätsstrategie bleibt somit oberflächlich. Eine wirkliche Auflösung von Rassismen, Ausgrenzung und Diskriminierung oder die Diskussion darüber finde nicht statt, meint Emilia Roig.

Werbung könnte einen Beitrag zu dieser Diskussion leisten, meint Deutschland Nova-Reporterin Minh Thu Tran, indem sie diese Menschen, die unter Rassismus und Diskriminierung leiden, sichtbar macht.