Die deutschen Truppen waren gefürchtet, aber nicht nur weil sie taktisch und strategisch überlegen schienen, es war vor allem eine durchgeknallte Truppe vollgepumpt mit Methamphetamin - befehligt vom Ober-Junkie Adolf Hitler.

Das hat der Schriftsteller Norman Ohler recherchiert. Eigentlich wollte der Autor einen Roman schreiben, jetzt erscheint sein 350 Seiten starkes Sachbuch "Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich".

"Man kann sagen, dass Hitler zeitweise ein Junkie war. Noch nicht am Anfang, aber er entwickelt sich dahin."
Norman Ohler, Schriftsteller

"Adolf Hitler begann ab August 1941 Steroide und Hormoninjektionen einzunehmen", erklärt Norman Ohler. Im Herbst 1944 hatten die Drogeneinnahmen Hitlers "schwindelerregende Ausmaße" angenommen, sagt der Schriftsteller. Er scheint "völlig hemmungslos und unkontrolliert" Drogen konsumiert zu haben, was zu "seinem körperlichen und geistigen Verfall beigetragen" hat.

Wehrmachtsdroge Pervitin

Das Pharmaunternehmen Temmler entwickelt 1937 ein Syntheseverfahren für Methamphetamin und meldet es unter dem Namen Pervitin beim Reichspatentamt an. Pervitin gilt als Wachmacher und wird den Wehrmachtssoldaten mit in den Feldrucksack gepackt.

"Man hat damals auch in der Zivilbevölkerung um 1938 hemmungslos Pervitin konsumiert. Das ging quer durch alle Bevölkerungsschichten. Man wollte wach sein, man wollte dabei sein, man wollte leistungsstark sein."
Norman Ohler, Schriftsteller

Für die Wehrmachtsärzte ist die Droge ein "militärisch wertvoller Stoff". Bei der strategischen Planung des "Blitzkriegs" gegen Frankreich, der am 10. Mai 1940 begann, spielt Pervitin eine ausschlaggebende Rolle. Tag und Nacht sollen die Soldaten über die Ardennen bis hinter die französische Verteidigungslinie vorrücken. Die Wehrmacht bestellt im April 1940 in großen Mengen Pervitin-Tabletten bei der Firma Temmler. "Das waren insgesamt 35 Millionen Stück", sagt Norman Ohler. Das sei ein planmäßiger Einsatz dieser Droge gewesen. Und der Plan ging auf.

"Das ist ja der groteske Widerspruch, dass genau die, die am Anfang so vehement die Drogen bekämpft haben, sie als jüdische Degenerationsgifte bezeichnet haben, dann später so stark auf eine Droge bauten und selbst für ihre militärischen Zwecke einsetzten."
Norman Ohler, Schriftsteller

Wie bei vielen Drogen tritt auch bei Pervitin eine Gewöhnung und Abhängigkeit ein: Die Soldaten brauchten immer mehr von dieser Droge, die dem heutigen Crystal Meth sehr ähnlich ist. Der Drogenmissbrauch zeigt in besonderer Weise die Perversität der Nationalsozialisten, die zu Beginn des Dritten Reiches 1933 eine strikte Anti-Drogenpolitik einführten.

Wie ist aus dem Abstinenzler Adolf Hitler ein Junkie geworden?

Hitler wird 1941 krank, in einer Zeit, in der er den Russlandfeldzug plant. Sein Leibarzt Theo Morell verpasst ihm einen Vitamin-Steroid-Cocktail. Das Steroid gewinnt Morell aus Schweinen. Hitler, der Vegetarier, wird wieder fit und will mehr davon. In den nachfolgenden Jahren dokumentiert der Arzt Morell minutiös das Doping. 1943 leidet Hitler plötzlich unter starken Schmerzen. Morell verpasst ihm eine Eukodal-Spritze, deren Inhalt ähnlich wie Heroin wirkt, nur schneller und stärker. Am Ende, kurz vor seinem Selbstmord, ist Hitler ein Wrack. Der Arzt kann nicht mehr helfen, Morell kann in den Kriegswirren keine Drogen mehr beschaffen. Morell flieht und Hitler erschießt sich.

Mehr über "Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich":

Das Sachbuch ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.