Wer Drogen konsumieren will, findet immer einen Dealer. Diese strecken häufig ihre Produkte mit Substanzen, die wir niemals freiwillig nehmen würden. Die gefährlichen Inhaltsstoffe herauszufinden, ist ohne Labor nicht möglich.

In Barcelona, Zürich, Bern und Wien werden von offizieller Seite Drogenlabors angeboten, in denen Konsumenten gekaufte Drogen prüfen lassen können. Die Labors in Barcelona und Zürich haben so großen Zulauf, dass sie mit den vielen Anfragen völlig überlastet sind. Das Drogeninformationszentrum, DIZ, in Zürich hat deshalb das Drug-Checking-Angebot ausgeweitet. Geplant ist eine Ausdehnung des Drug Checkings in der gesamten Schweiz.

Anja Lischer vom DIZ nimmt an, dass sich unter den Konsumenten inzwischen ein Bewusstsein dafür gebildet hat, dass Drogen, die auf Partys angeboten werden, nicht unbedingt lupenrein sind. Weil sie sich vor Risiken schützen wollen, kommen die Konsumenten zum Drug Checking.

Analyse gegen Beratung

Das DIZ liefert aber nicht nur individuelle Drogenanalyse, sondern veröffentlicht beispielsweise eine Übersicht der Testergebnisse, der Substanzen, die getestet werden und Dosierungshinweise. Zum Beispiel sind seit 2011 vermehrt Ecstasy-Pillen im Umlauf, die extrem hochdosiert sind. Eine Überdosierung führt zu Überhitzung, Dehydration und Herz-Kreislauf-Überbelastungen. So sind beispielsweise 160 mg MDMA die Maximaldosierung für einen 106 Kilo schweren Mann. Der Richtwert bei der Dosierung von MDMA liegt beim 1,5-fachen des Körpergewichts beim Mann und 1,3-fachen bei Frauen. 2015 überschritten 10 Prozent der getesteten Pillen den Richtwert. Die höchste Überdosierung betrug 274 mg.

Nicht selten finden die Chemiker Levamisol in Kokain-Pulver. Das ist ein Entwurmungsmittel aus der Tiermedizin, das bei kontinuierlichem Konsum zu Bluterkrankungen führt.

Die Drogenkonsumenten, die ihre Drogen testen lassen, sind weniger Junckies, sondern eher der Durchschnittsbürger.

"Die meisten sind so Mitte 20 bis 30, haben einen Job und sind sozial sehr gut integriert."
Anja Lischer, Drogeninformationszentrum Zürich

Wer diesen konsumentenfreundlichen Service in Anspruch nehmen will, muss aber auch zu einem Beratungsgespräch bereit sein. Die Mitarbeiter unterstehen der Schweigepflicht, der Service ist kostenlos und es werden auch keine Bedingungen daran geknüpft.

Mobile Labore

Neben diesem Angebot gibt es auch mobile Drogenlabors. Chemiker gehen dann gemeinsam mit Streetworkern auf Partys oder Festivals und haben ein Minilabor dabei. Wer will, kann dann ein Viertel von seiner Pille abknipsen und dem Chemiker geben. Der Test dauert circa 20 Minuten. In der Zwischenzeit werden die Konsumenten dann von den mobilen Laboranten gefragt, woher der Stoff ist, was er gekostet hat, wie viel sie konsumieren und ob sie Probleme haben. Mit den Angaben kann sich die zuständige Drogenbeauftragte einen Überblick verschaffen.