"Mich hat die Situation der Geflüchteten im Mittelmeer fassungslos gemacht", sagt Theresa Schwaiger. Sie hat sich dann über verschiedene Projekte der zivilen Seenotrettung informiert und ist so schließlich bei den Sea Punks gelandet.

Seit Jahren versuchen Menschen, meist von der libyschen oder tunesischen Küste aus, übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Diese Flucht ist gefährlich – vor allem mit seeuntauglichen Booten. Allein 2021 sind nach Angaben der Vereinten Nationen 3231 Menschen dabei ums Leben gekommen. Von Januar bis August 2022 starben demnach dabei 938 Menschen.

Um zumindest einen Teil der in Seenot geratenen Menschen zu retten, haben sich mehrere Initiativen der zivilen Seenotrettung gegründet wie Mission Lifeline, Sea Watch, United4Resuce oder die Sea Punks. Auch bei Theresa Schwaiger war der Punkt erreicht, helfen zu wollen, als 2019 die Kapitänin der Sea-Watch 3, Carola Rackete, mit 53 Geflüchteten aus Libyen an Bord wochenlang keine Einfuhrerlaubnis in einen italienischen Hafen erhielt. Schließlich legte sie in Lampedusa an und wurde festgenommen.

Motivation, etwas ändern zu wollen

Für Theresa war das ein einschneidender Moment, weil aus ihrer Sicht "da etwas krass schiefläuft, mit dem ich nicht einverstanden bin. Deshalb will ich irgendetwas tun". Jeder Mensch habe ein Thema, das ihn besonders beschäftigt. Für die einen sei es das Klima, für sie eben die Situation im Mittelmeer, die sie fassungslos machte.

"Die meisten Menschen haben irgendwie ein Thema, das ihnen auf den Nägeln brennt. Bei mir war es die Situation im Mittelmeer. Das hat mich am meisten verzweifeln lassen oder fassungslos gemacht."
Theresa Schwaiger über ihr Motiv, ehrenamtlich für die zivile Seenotrettung zu arbeiten

Theresa arbeitet als Schulbegleiterin für ein Kind, das im Rollstuhl sitzt. Diese Arbeit lässt ihr viel freie Zeit. Für die sechs Wochen Sommerferien hatte sie dann überlegt, sich an einem sozialen Projekt zu beteiligen, und landete bei ihrer Suche auf der Seite der Mission Lifeline. Weil das Schiff in der Werft lag und umgebaut werden musste, hat sie dort für drei Wochen geholfen. "So startete das mit der Seenotrettung", sagt Theresa.

"Ich habe mich schon vorher ehrenamtlich engagiert, zusammen mit meiner Zwillingsschwester. Das war aber eher unorganisiert wie Kleiderspenden und Ähnliches."
Theresa Schwaiger arbeitet ehrenamtlich bei den Sea Punks

Nach ihrer zeit beim Verein Mission Lifeline hat sich Theresa dann den Sea Punks angeschlossen. Der Verein hat ein Schiff gekauft, es seetauglich gemacht, um damit im Mittelmeer Menschen aus Seenot zu retten. Teilweise ist Theresa auch mal zwei Monate komplett auf dem Schiff mit dabei, manchmal arbeitet sie "nur" 15 bis 20 Stunden pro Woche für den Verein. Dazu kommen noch die Vereinstreffen, die ungefähr drei bis fünf Stunden in der Woche beanspruchen. Es hänge sehr viel von den Phasen ab, in denen mal mehr oder weniger Arbeit anfalle.

Abwechslungsreiche Tätigkeiten im Verein

Sie mache auch ganz verschiedene Tätigkeiten wie Rettungswesten beschaffen oder die Versorgung der Geretteten an Bord. Das sei sehr viel Arbeit und deshalb brauche es auch viele Menschen, die mithelfen. Sie habe auch schon Momente erlebt, in denen sie sich überfordert gefühlt habe. "In solchen Situationen ist es superwichtig, dass man mit Personen spricht, die das einfach schon oft gemacht haben." Dann auf die Erfahrung dieser Personen zurückgreifen zu können, würde viel helfen.

Manchmal würde sich ihre Arbeit und ihr ehrenamtliches Engagement schon sehr überlagern, sodass sie das Gefühl hätte, weder dem einen noch dem anderen gerecht zu werden. Für sie sei Transparenz gegenüber der Schule und dem Verein sehr wichtig. Je nachdem, in welchem Bereich sie gerade Prioritäten setzen müsse, müsste dann der andere auch mal zurückstehen. Aber Verein und Schule würden sich ihr gegenüber sehr kulant und verständnisvoll zeigen.

"Ich habe das Glück, dass ich in einer Schule arbeite, die sehr kulant ist und den unbezahlten Urlaub ermöglicht, damit ich überhaupt zum Schiff fahren kann."
Theresa Schwaiger engagiert sich bei Sea Punks

Am 8. Dezember ist die Sea Punk I im Hafen von Burriana in Spanien eingelaufen. Für Theresa war das ein sehr emotionaler Moment, erzählt sie. Jetzt laufen noch die letzten Vorbereitungen, bevor das Schiff zu seiner ersten Mission startet.

Wer jetzt Lust hast, sich ebenfalls bei der Seenotrettung zu engagieren, dem rät Theresa Schwaiger, sich auf den Seiten der verschiedenen Initiativen zu informieren. Da gäbe es immer einen Reiter "Mitmachen", wo ihr die verschiedenen Möglichkeiten findet, euch zu engagieren.

  • Moderatorin:  Lena Mempel
  • Gesprächspartnerin:  Theresa Schwaiger, engagiert sich ehrenamtlich bei den Sea Punks