Ein Trend in immer mehr Dating-Apps ist die Kategorie "sapiosexuell". So bezeichnen sich Menschen, denen Wissen und Intellekt bei der Partnersuche offenbar wichtiger ist, als das Aussehen. Eine Stunde Liebe beschäftigt sich mit dieser geistreichen Vorliebe.

Wer in Latein aufgepasst hat, erinnert sich an das Verb "sapere" und die Übersetzung "wissen". Für Sapiosexuelle ist demnach ein Mensch, der über die Sixtinische Kapelle referieren kann, anziehender, als einer mit Six-Pack.

"Intelligenz macht sexy. Die Logik, die Denkweise, die Sprache, wie man die Sprache gebraucht. Jemand, der im Geiste reich ist. Das erotisiert mich auch, ich glaube schon, dass es auch zur körperlichen Erregung kommen kann. Ich kann das selbst nicht erklären. Das ist die Sapiosexualität, dass ein Mann mich erregt, nur aufgrund dessen, wie er tickt, und nicht wie er aussieht."
Mathilda, Sapiosexuelle aus Berlin

Dass die Bezeichnung vor allem bei Dating-Apps kursiert, könnte ein Hinweis auf die Entstehung sein. Beim virtuellen Flirt steht die schriftliche Kommunikation im Vordergrund. Dadurch werden Humor und Intellekt offenbar wichtiger, als das äußere Erscheinungsbild. Innere Werte und so.

"Der Kopf wird immer wichtiger, aber ich frage immer wieder, wo ist die Erregung dabei? Wenn jemand mit dem Kopf, also schreibt, statt sieht, körperlich, dann ist ja auch so viel Projektion da. Die Fantasie kommt zum Tragen. Das eigene sexuelle System, die eigenen Vorstellungen können so richtig schön elaboriert werden."
Ann-Marlene Henning , Sexologin aus Hamburg

Offenbart sich die Liebe beim realen Treffen dann als Hirngespinst? Die Sapiosexuelle Mathilda sieht das anders. Für sie wird mit den Jahren das körperliche Begehren immer unwichtiger.

"Man kann auf einen Menschen treffen, wo der Sex im Hintergrund bleibt. Ich kann mir eine rein platonische Beziehung zu einem Mann vorstellen. Ich bin nicht asexuell, auf keinen Fall, aber es könnte passieren. Klar möchte man Sexualität im gesunden Rahmen ausleben, aber das ist nicht die Säule der Beziehung."
Mathilda, Sapiosexuelle aus Berlin