Brunelle liebt gutes Essen. Sie sagt, Comfort Food vermittelt ihr ein Gefühl von Zuhause. Ein Ernährungswissenschaftler erklärt, was Wohlfühlessen in uns noch auslöst. Und was wir tun können, wenn wir unser Comfort Food noch nicht gefunden haben.
Brunelle, 27, ist in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Ihre Familie kommt ursprünglich aus dem Kongo. Deshalb gibt es für sie zwei verschiedene Arten von Comfort Food: kongolesisches Essen und Essen aus der Pfalz.
Brunelles deutsches Comfort Food sind Dampfnudeln. Sie verbindet mit diesem Gericht viele Kindheitserinnerungen. "Dann fühle ich mich immer wie so eine 4-jährige Brunelle mit ihrer Oma. Das war immer toll."
"Dieses Essen (Dampfnudeln) nimmt sehr viel ein in meinem Leben und ich bin dann immer happy."
Comfort Food ruft Emotionen hervor
Brunelle verbindet mit ihrem Comfort Food Wärme und Geborgenheit. Inzwischen wohnt sie nicht mehr in der Pfalz, aber wenn sie in der Heimat ist, gibt es Dampfnudeln – immer donnerstags.
Brunelles Familie ist das Thema Essen wichtig. Es wurde stets viel und gerne gekocht. Brunelle erinnert sich, dass ihre Mutter sich immer viel Zeit dafür genommen hat. Und das hat sich auf Brunelle übertragen. Auf die Frage, wie wichtig Essen für Brunelle ist, sagt sie: 9/10. Sie liebt es, für sich und für andere zu kochen.
Wohlfühlessen kann stabilisieren
Guido Ritter ist Ernährungswissenschaftler und beschäftigt sich mit Essen aus verschiedenen Blickwinkeln. Er kann Brunelles Verbundenheit mit ihrem Comfort Food gut nachvollziehen. Ritter selbst hat auch ein Wohlfühlessen: Vanillepudding. "Auf den greife ich zurück, wenn es mir mal nicht so gut geht, wenn sehr viel Stress war oder wenn ich am Anfang einer Krankheit bin", erzählt der Ernährungswissenschaftler.
"Comfort Food sind Gerichte, die uns ein Gefühl von Sicherheit, Freude und Zufriedenheit geben."
Guido Ritter sagt, dass Comfort Food eine Doppelfunktion hat: Es kann uns nicht nur körperlich sättigen, sondern auch emotional befriedigen. Dabei handelt es sich oft gar nicht um neue, innovative Gerichte, sondern um Essen, das wir häufig aus unserer Kindheit kennen.
Biochemie und Psyche verknüpft
Comfort Food ist häufig auch sehr energiereich, erklärt der Ernährungswissenschaftler. "Weil das Belohnungssystem damit auch aktiviert wird. Es sind sehr schmackhafte Gerichte. Biochemisch passiert da eine ganze Menge."
Neben ihrem deutschen Comfort Food – Dampfnudeln – gibt es für Brunelle aber auch kongolesisches Essen, das ähnliche Gefühle bei ihr auslöst: Fisch. Ihr Vater kommt aus dem Norden des Kongo, wo eher viel Fisch gegessen wird. Deshalb liebt Brunelle Fischgerichte, die auf kongolesische Art und Weise zubereitet und sehr speziell gewürzt werden.
Comfort Food: Von nostalgisch bis kurios
Die Köchin und Autorin Julia Floß betont, wie unterschiedlich Comfort Food sein kann. "Das kann bei vielen etwas Nostalgisches sein, also eine Erinnerung, die ein gutes Gefühl erzeugt – sei es der Milchreis von der Großmutter oder die schnelle Nudelpfanne aus der ersten WG." Bei vielen Menschen sei es aber auch einfach die Frage der Konsistenz – warm, weich oder cremig – oder es seien bestimmte Gewürze enthalten. Ihr persönliches Wohlfühlessen bezeichnet Julia Floß übrigens eher als kurios: Nudeln mit Paniermehl und Ketchup.
Wohlfühlrezepte, die immer gehen
Bei anderen Menschen sei Comfort Food auch eine Form von Ritual, erklärt Julia Floß: "So ein Rezept, das habe ich schon hundertmal gemacht. Ich habe meistens alle Zutaten dafür da. Du kannst mich nachts um drei Uhr wecken und ich weiß, wie die Soße geht."
Wer sein Comfort Food bisher noch nicht gefunden haben sollte, dem empfiehlt die Köchin, sich diese Fragen zu stellen: Worauf habe ich Appetit, wenn ich richtig erschöpft bin? Oder: Was mache ich mir, wenn ich krank bin?
"Ich habe gar keine Energie, ich habe gar keine Kraft – was für ein Essen ist es, was mir jetzt ein gutes Gefühl macht?"
Wer sich näher damit beschäftigt, stellt oft fest, dass es eher etwas Ritualisiertes ist – oder vielleicht die Hühnerbrühe von der Oma. "Comfort Food ist nichts, was man sich durch Blättern in Kochbüchern aneignet. Es ist immer ein Gefühl", sagt Julia Floß.
Für viele sei es zum Beispiel auch der schnell aufgekochte Pudding aus der Tüte, sagt die Köchin: "Man sitzt eingemummelt mit einer Decke auf der Couch, guckt irgendwas und mümmelt dabei so einen warmen Pudding. Das ist süß, das ist cremig und häufig eine Kindheitserinnerung."
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