Mal 'ne vegane Mortadella oder Gemüseaufstrich aufs Brot: Wir ernähren uns bewusster, essen mehr Bio, weniger Fleisch oder verzichten vielleicht sogar ganz drauf. Trotzdem muss Deutschlands erste vegane Supermarktkette Filialen schließen, weil niemand mehr hingeht.

Die vegane Supermarktkette Veganz ist 2011 in Berlin als Startup gestartet, als erster veganer Supermarkt in Europa. Das Konzept war erfolgreich, auch außerhalb von Berlin sind immer mehr Filialen dazu gekommen. Innerhalb von Berlin funktioniert das Konzept auch immer noch. Aber in München, Hamburg und Leipzig mussten Filialen schließen. Möglicherweise werden weitere dicht machen - und das, obwohl mehr Menschen sich vegan oder vegetarisch ernähren, als noch vor ein paar Jahren.

Es klingt absurd, aber genau darin liegt das Problem: Vegan ist nicht mehr nur ein Trend. Vegane und vegetarische Produkte gehören mittlerweile zum Alltag von vielen Leuten.

"Vegane Lebensmittel sind heute überall verfügbar. Der Trend hat sich seit zwei Jahren extrem verstärkt. Kunden müssen nicht mehr für 'ne Sojamilch in einen speziellen Laden fahren."
Jan Bredack, Chef der Veganz-Supermarktkette

Vegane Produkte bekommt man mittlerweile in jedem Supermarkt, sogar in den Discountern. Und das ist das zweite Problem, was die Veganz-Supermärkte haben: Mit nicht mal einem Dutzend Filialen könnten sie nicht mit den Preisen von großen Ketten mit tausenden Filialen mithalten. Noch nicht mal bei ihren eigenen Produkten.

Kleine Bioläden um die Ecke sind auch betroffen

Auch der nette Bioladen um die Ecke hat jetzt doppelte Konkurrenz: von den Bio-Ketten und von den normalen Supermärkten mit ihren immer größeren Bioregalen. Aber auch Bioketten wie Denn’s, Alnatura oder Basic mussten schon Filialen schließen, weil es Bio mittlerweile auch bei Aldi und Lidl gibt.

Die Supermarkt-Kette Veganz ist sogar selbst an dieser Entwicklung beteiligt. Sie haben nämlich von Anfang an auch ihre veganen Produkte an normale Supermärkte wie Edeka oder Rewe geliefert.

Jan Bredack, Chef der Veganz Supermärkte
© dpa
Jan Bredack, Gründer der Veganz-Supermarktkette
"Wir haben ja bewusst darauf gesetzt, unsere Produkte auch im Handel zu platzieren. Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass die Umsätze in unseren eigenen Läden so schnell zurückgingen. Trotzdem haben wir keine Panik."
Jan Bredack, Chef der Veganz-Supermarktkette

Die Firma Veganz lebt mittlerweile vor allem davon, vegane Produkte an andere Supermärkte zu liefern. Die eigenen Filialen machen da nur einen kleinen Teil aus. Damit nicht noch mehr Filialen schließen müssen, hat sich Jan Bredack ein neues Konzept für die Supermärkte überlegt. Dort soll man in Zukunft nicht nur einkaufen, sondern viele Produkte gleich mal probieren können, in einem Café oder einer Restaurant-Ecke zum Beispiel.