Elektroautos sind hocheffizient. Mit einem Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent nutzen sie fast alle Energie für die Fortbewegung, beim Verbrennungsmotor sind es höchstens 30 Prozent. Dennoch wird die Bundesregierung ihr selbst gestecktes Ziel bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen zu haben, nicht erreichen. Selbst die Kanzlerin hat sich davon wieder verabschiedet.

Dem Soziologen und Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin dürften sich angesichts solcher Entwicklungen die Nackenhaare kräuseln. Er berichtet in seinem Vortrag von einer vierköpfigen Familie in Berlin, die immer ohne Auto ausgekommen ist. Als ihr dann eins geschenkt worden sei, habe sich nahezu das komplette Denken und Leben der Familie nur noch ums Auto gedreht. 

Ein autofreies Leben ist immer noch schwierig

Mittlerweile besitzen die Vier drei Autos und sind laut Knie typisch für uns alle: Wenn wir das Auto wegdenken aus unserem Leben, würden vielen von uns Alternativen einfallen, anders leben zu können. Eingeräumt: Noch funktioniert das nicht, weil die Planung unserer Städte und ländlichen Gegenden eine gedankliche Neuausrichtung nicht gerade leicht macht.  

"Man muss die Alternativen in der Stadt so machen, dass eine Familie mit zwei Kindern in der Stadt auch wohnen kann."

Doch noch möchte jeder "zur eigenen Zeit mit seinem eigenen Raum" unterwegs sein. Eine Vorstellung, von der wir uns schon in wenigen Jahren verabschieden sollten, so Knie. Wenn es nach ihm geht, sind bald unentwegt Elektroautos in der Stadt unterwegs, die nicht uns gehören. Im Fahrraum sitzen dann sechs bis zwölf Personen und nicht mehr nur einer wie heute so oft. 

Und die intelligenten Dinger stehen auch nicht mehr die meiste Zeit auf einem Parkplatz herum, der heute Wohn- und Geschäftsraum, Natur und Freizeitareale verdrängt. Supermärkte und Outlet-Factorys: Sie wurden auf die grüne Wiese gebaut, weil wir ja mit dem Auto dorthin können. Genauso unsere Arbeitsplätze - immer weiter von zu Hause weg. Und wir schlucken den Lärm und Gestank, den diese Denkweise erzeugt. Ein Leben ohne eigenes Auto: Andreas Knie hat seine Gedanken dazu auf der Berliner Akademie auf deren Sommeruni 2016 entwickelt.

Mehr über Mobilität und Energie: