Seit zwölf Jahren tragen wir die elektronische Gesundheitskarte mit uns rum. Genau wie in Lettland. Dort kam es nun zu einem breit angelegten Hackerangriff. 

Als sich die elektronische Gesundheitskarte 2006 in unser Portemonnaie geschlichen hat, sollten allerlei Daten auf ihr gespeichert werden: elektronische Krankenakte und Onlineanbindung zum Beispiel. Daraus ist bisher nichts geworden. Trotzdem befürworten einige die Gesundheitskarte.

Die Gesundheitskarte kann noch lange nicht, was sie sollte

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat fasst die Argumente so zusammen:

Pro

  • Besserer Informationsstand in Bezug auf Vorerkrankungen oder Medikamentenunverträglichkeiten in Notfällen
  • Höhere Verwaltungseffizienz: Nach einer Überweisung könnten Ärzte sofort sehen, welche Untersuchungen schon durchgeführt wurden. 
  • Schutz vor Versicherungsbetrug

Contra

  • Praxen und Kliniken müssen viel investieren, damit das System funktioniert.
  • Viele Praxen haben dauerhaft Probleme mit defekten Kartenleseterminals.
  • Datenschutzbedenken

Das Konzept der Gesundheitskarte ist: Alle Daten eines Patienten sind zentral gespeichert. Wir müssen kein Experte auf dem Gebiet sein, um ein mulmiges Gefühl zu bekommen, wenn alle Daten über unseren Körper und unsere Gesundheit auf einem Chip gespeichert sind. Was ist, wenn entgegen aller Beteuerungen die Daten doch ausgewerteten und weitergegeben werden? 

"Attacken auf elektronische Gesundheitsinfrastrukturen können vorkommen. Das können Versuche sein, tatsächlich an Patientendaten heranzukommen. Denkbar ist aber auch ein Sabotage-Ansatz."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Es dauert

Die Patientendaten sind verschlüsselt, und der Zugang zum Internet soll nur über spezielle Hardware in den Arztpraxen und Kliniken erfolgen. Diese sogenannten Konnektorboxen müssen vom BSI, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, geprüft und zertifiziert sein. Das BSI hat aber bislang erst die Box von einem von drei Anbietern zertifiziert. Das ist auch der Grund dafür, dass es mit der allerersten Stufe der Onlineanbindung - dem reinen Stammdatenabgleich mit den Krankenkassen - erst 2019 losgeht. 

2019 beginnt die erste Onlineanbindung

Es gibt aber noch ein Problem: Die Architektur der Smartcards und dieser Konnektorboxen sind durch die jahrelangen Verzögerungen nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Außerdem rückt die Projektgesellschaft Gematik, die sich um die Einführung der Gesundheitskarte kümmert, weder die Kartenchips noch die Boxen oder deren technische Details vorab an unabhängige Sicherheitsexperten heraus. Es gibt also keine Chance, das Konzept auf Schwachstellen abzuklopfen. 

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