"Emily in Paris" ist gerade eine der Top-Serien auf Netflix. Die Kritiken sind hingegen eher mau: "Emily" sei dumm, unrealistisch, voller Klischees – und mache trotzdem süchtig. Warum eigentlich?

Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anke van de Weyer hat die zehn kurzen Episoden an einem langen Abend durchgebinged. Wer sich aber die Kritiken zur Serie durchliest, muss zu dem Schluss kommen: Die Serie ist alles andere als gut.

Darum geht's: Lily Collins spielt Emily. Die US-Amerikanerin verschlägt es für den Job nach Paris, dort arbeitet sie in einer Marketing-Agentur und wird nebenbei Influencerin. Französisch kann Emily nicht sprechen, aber das geht trotzdem alles irgendwie.

Eine Szene aus "Emily in Paris".
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"Emily in Paris" ist voller Klischees.

Falls ihr irgendwelche Vorurteile über Paris und die Französinnen und Franzosen haben solltet, dann werdet ihr sie wahrscheinlich in "Emily in Paris" wiederfinden: Vor 10:30 Uhr arbeitet niemand, in den ewigen Mittagspausen wird Wein getrunken, alle sind unfreundlich und rauchen die ganze Zeit.

"In einer Szene sitzt Emily auch auf einer Parkbank und isst Baguette und einen Laib Käse. Klischeemäßiger geht es kaum."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Überhaupt sitzen alle die meiste Zeit in Restaurants oder futtern irgendwo Croissant – wenn die Männer nicht gerade mit dem Versuch beschäftigt sind, Emily ins Bett zu kriegen.

"In einer Szene sitzt Emily auch auf einer Parkbank und isst Baguette und einen Laib Käse", erzählt Anke van de Weyer. "Klischeemäßiger geht es kaum."

Nun erwartet wohl niemand von einer relativ kurzen Serie, dass sie es mit einer ausführlichen Paris-Dokumentation aufnehmen könnte. Aber in vielen Kritiken wird die kurze Serie insgesamt eher als simpel beschrieben. Oder wie die Berliner Zeitung es schreibt: "Die vielleicht dümmste Serie in der Geschichte von Netflix".

"Emily in Paris": Eine Serie über eine weiße, dünne Frau

Dabei gibt es auch noch andere Punkte, die sich kritisieren lassen: "Es ist mal wieder eine Serie, in der eine weiße, dünne Frau der Haupt-Charakter ist", kritisiert Anke van de Weyer die mangelnde Diversität in der Serie.

Es gebe zwar durchaus auch nicht-weiße Personen in der Serie, Emilys Freundin Mindy Chen aus China zum Beispiel oder ihr schwarzer Arbeitskollege Julien. Aber von beiden Personen erfahre man nicht so sehr viel, sagt Anke: "Die sind hauptsächlich dazu da, Emily immer wieder aus unangenehmen Situationen rauszuhelfen." Da wäre viel mehr Charakterisierung möglich gewesen – und das hat zumindest Potenzial für die nächsten Staffeln.

"Es ist natürlich spannend, mit Blick auf eine zweite oder dritte Staffel, was bei den Figuren noch so geht."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Nun gibt es aber trotz allem einen ordentlichen Hype um "Emily in Paris" – und das liegt an vielen fantastischen Bilder von Paris und von den Menschen. "In der Serie wird richtig krasse Mode präsentiert und die kitzelt an ganz vielen Sehnsüchten, die gerade viele haben", sagt Anke van de Weyer.

Das kommt nicht von ungefähr: Die Idee zu der Serie hatte der Produzent und Regisseur Darren Star, der unter anderem für "Sex and the City" bekannt ist, auch die Kostümbildnerin von "Sex and the City" Patricia Field hat bei "Emily in Paris" mitgearbeitet. Kurz gesagt: "Man sieht so ziemlich alle Charaktere, vor allem natürlich Emily, dauernd in den krassesten Outfits durch Paris spazieren.

Eine Szene aus "Emily in Paris".
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Sieht alles super aus: Paris, Emily und ihre Freundinnen und Freunde.

Die Serie ist also ein Fest für alle, die sich für Mode interessieren und das Zelebrieren von Mode seit "Gossip Girl" ein bisschen vermissen.

Und trotz aller Klischees sieht Paris einfach gut aus: Es gibt tolle Aufnahmen von der Stadt. "Während viele Menschen aktuell nicht verreisen, kann man da ein bisschen drin schwelgen und sich vorstellen, wie man jeden Tag eine andere Handtasche spazieren trägt", sagt Anke van de Weyer, "obwohl man in Wirklichkeit nur noch zwischen zwei Jogginghosen wechselt".