Weil die Patrizier sie ausbeuteten, packten die Plebejer kurzerhand ihre Sachen, verließen die Stadt und legten die Wirtschaft lahm. Wie dieser antike Zoff die Basis für unsere heutigen Volksbefragungen legte.
Vom 5. bis zum 3. vorchristlichen Jahrhundert gab es in der frühen römischen Republik zwei voneinander getrennte Gruppen: Die Patrizier und die Plebejer. Die Patrizier stellten die Oberschicht, waren meist vermögend und besaßen Grund und Boden. Diese Schicht ist vermutlich unmittelbar nach der Gründung der römischen Republik um 500 v. Chr. entstanden.
Die Patrizier achteten sorgsam darauf, dass ihr Stand blieb, was er war, und hatten anfangs deshalb Eheschließungen mit Plebejern verboten. Die Plebejer hingegen stellten die größte Bevölkerungsgruppe, die meisten von ihnen gehörten der ärmeren Bevölkerung an. Einige Plebejer waren aber zu Geld gekommen und galten als wohlhabend.
"Secessio Plebis": Der erste Generalstreik der Geschichte
Die gravierenden Unterschiede sorgten für sozialen Sprengstoff. Immer wieder prallten die Interessen der beiden Gruppen aufeinander. Zuerst 494 v. Chr. als die Plebejer durchsetzten, dass eigene plebejische Volkstribune zum Schutz vor der Willkür der patrizischen Beamten (Konsuln) eingesetzt wurden. 449 v. Chr. ging es um die Annahme des Zwölftafelgesetzes, durch die die Gesetze und der Strafenkatalog öffentlich gemacht wurden. Die Plebejer wurden so vor willkürlicher Justiz geschützt.
Streit gab es auch 445 v. Chr., als die Ehe zwischen Patriziern und Plebejern dann erlaubt wurde. Das Mittel der Plebejer, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, würde man heute als Generalstreik bezeichnen: Sämtliche Plebejer verließen Rom ("Secessio Plebis"), versammelten sich auf einem der sieben Hügel Roms und übermittelten von dort den Patriziern ihre Forderungen. In Rom brachen derweil der Handel und vor allem die Verteidigung der Stadt zusammen, so dass die Patrizier rasch einen Ausgleich mit den Plebejern suchten.
Vorreiter der Plebiszite
287 v. Chr. war eine neue Wehrverfassung Anlass für die Plebejer die Stadt zu verlassen und sich auf dem Janiculushügel im heutigen Stadtteil Trastevere zu versammeln. Sie ernannten daraufhin Quintus Hortensius zum Diktator, um mit den Patriziern zu verhandeln.
Sie schickten ihn mit dem Vorschlag zu den Patriziern, dass zukünftig alle Beschlüsse der plebejischen Volksversammlung für alle Römer gelten – auch für die Patrizier. In dieser "Lex Hortensia" nannten sie ihre Forderung "Plebis Scitum" also "Beschluss des Volkes". Das war der Startschuss für Volksbefragungen oder Plebiszite, wie sie in modernen Demokratien abgehalten werden.
Ihr hört in Eine Stunde History:
- Der Althistoriker Michael Sommer von der Universität Oldenburg beschreibt die soziale Frage im antiken Rom vor dem Plebis Scitum.
- Die Althistorikerin Tanja Itgenshorst von der Universität Fribourg erläutert den Zusammenhang zwischen dem Ende des Ständekampfs zwischen Patriziern und Plebejern und dem Aufstieg Roms zur antiken Supermacht.
- Der Rechtshistoriker Johannes Michael Rainer von der Universität Salzburg erklärt, wie sehr römisches Recht bis heute nachwirkt und die Rechtssysteme in Europa beeinflusst.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Anfänge des Ständekampfs in Rom.
- Deutschlandfunk Nova-Reporterin Grit Eggerichs erinnert an die sozialen Unterschiede zwischen Patriziern und Plebejern.
- Grit Eggerichs
- Michael Sommer
- Tanja Itgenshorst
- Johannes Rainer
