Im Südafrika haben Paviane ein Löwenbaby entführt und behandeln es wie ihr eigenes Kind. Über die Gründe für das ungewöhnliche Verhalten haben wir mit Heribert Hofer, Direktor des Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin, gesprochen.

Es sind ungewöhnliche Bilder aus dem Kruger-Nationalpark in Südafrika: Eine Gruppe Paviane verschleppt ein Löwenbaby auf einen Baum. Der Fotograf, der die Situation beobachtet, denkt erst, der kleine Löwe sei tot. Doch die Affen behandeln das Tier wie ihren eigenen Nachwuchs. Sie suchen nach Flöhen in seinem Fell und gehen demonstrativ liebevoll mit ihm um.

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Grundsätzlich sei das Verhalten schon sehr ungewöhnliches bei zwei so verschiedenen und vor allem verfeindeten Tierarten, sagt Heribert Hofer, Direktor des Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin.

"Grundsätzlich ist es natürlich sehr ungewöhnlich, dass zwei sehr verschiedene Tierarten miteinander so umgehen, weil typischerweise zwischen Pavianen und Löwen eine herzliche Feindschaft besteht."
Heribert Hofer, Direktor des Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin

In freier Wildbahn, so Hofer, werden die Paviane von den Löwen gefressen. Die Affen wiederum wüssten sich gut zu verteidigen: Sie attackieren und verletzen Löwen und jagen auch Antilopen, um sie zu fressen.

Jungtiere als Verhandlungsmasse

Dass die Affen das Löwenbaby fressen wollen, glaubt der Zoodirektor zunächst nicht. Denn die Fellpflege und Liebkosungen sprächen dagegen. Er schließt aber auch eine "Adoption" aus. Wahrscheinlicher sei es, dass die Affen das Löwenjunge als eine Art Trophäe betrachtet, die sie erbeutet haben.

"Was häufig bei Affen und vielen Arten zu beobachten ist: dass Jungtiere als eine Art Verhandlungsmasse betrachtet werden."
Heribert Hofer, Direktor des Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin

Vor allem Männchen würden sich den Nachwuchs von Weibchen niederen Ranges schnappen, um sich die Gunst bei einem hochrangigen Tier zu verschaffen und die eigene Position im Sozialgefüge zu stärken. Mit dem Löwenbaby werde das gleiche Ziel verfolgt – womöglich, weil gerade kein Jungtier aus der eigenen Gruppe zur Verfügung stand.

Keine großen Überlebenschancen

Auf das Löwenbaby seien die Pavian vermutlich zufällig gestoßen. Normalerweise seien die Jungtiere stets in Begleitung der Mutter. Ist die Löwin auf der Jagd, bleiben die Jungen im Versteck, sagt Hofer. Möglicherweise wurde es in einer solchen Situation gefunden.

Große Überlebenschancen rechnet Heribert Hofer dem Löwenbaby nicht aus. Bleibe es auf dem Baum zurück, dann müsse es von alleine herunterkommen oder von der Mutter gefunden werden. Nur wenn es auf dem Boden abgelegt werde, stünden die Chancen etwas besser. Gut möglich sei aber auch, dass das Junge irgendwann nicht mehr Verhandlungsgegenstand für die Paviane bleibe, zum Beutetier mutiere und von den Affen gefressen werde.