Das vom Bundeskabinett beschlossene 9-Euro-Ticket soll die Verbraucher finanziell entlasten. Es könnte aber auch für Überlastung sorgen, befürchtet Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Am 1. Juni kommt es: Das 9-Euro-Ticket ist beschlossene Sache. Es ist Teil des Entlastungspakets, das das Bundeskabinett aufgrund der gestiegenen Energiepreise auf den Weg gebracht hat. Über eine Dauer von drei Monaten kann es jeweils monatlich erworben und für den Öffentlichen Personennahverkehr, also Busse und Straßenbahnen, genutzt werden.

Fernpendler haben nichts vom 9-Euro-Ticket

Die Freude über die Einführung des Tickets hält sich allerdings bei Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn in Grenzen. Er sagt, dass bestimmte Reisendengruppen das 9-Euro-Ticket gar nicht nutzen können, damit meint er vor allem diejenigen Pendler, die am Wochenende den Fernverkehr nutzen um nach Hause zu fahren. Das betrifft beispielsweise auch viele Studierende, sagt Karl-Peter Naumann.

"Die Freude ist doch etwas geteilt. Es ist eine gute Idee, aber sie ist eben längst nicht gut gemacht, weil bestimmte Reisendengruppen nicht erfasst werden."
Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband Pro Bahn

Das 9-Euro-Ticket für einen Zeitraum von drei Monaten einzuführen, sei nicht nachhaltig, solange nach dem Ablauf dieser Zeit wieder die üblichen Preise für die Fahrkarten in Bus und Bahn gelten, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Fahrgastverband Pro Bahn: Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes notwendig

Ob wir die Öffis nutzen, hänge zudem nicht nur vom Preis ab. Auch andere Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn wir auf dem Land wohnen und es kommt nur sporadisch ein Bus, wenn unsere Fahrt durch die Stadt mit Bus oder Bahn viel länger dauert als mit dem eigenen Pkw, wenn wir auf dem Weg zur Uni oder zum Job nie einen Sitzplatz bekommen, weil die Öffis regelmäßig zu voll sind: Es gibt viele Gründe, die uns davon abhalten können, den Bus oder die Bahn zu nutzen, sagt Karl-Peter Naumann.

"Man hat da etwas ausgegossen über alle, ohne differenziert zu gucken, was man erreichen möchte."
Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband Pro Bahn

Bereits die Einführung des "Schönes-Wochenende-Tickets" vor rund 20 Jahren für damals noch 15 Deutsche Mark hatte gezeigt, dass auf bestimmten Strecken die Kapazität für Fahrgäste überlastet war. Besonders beliebt - und dadurch überlastet - waren Strecken, die von Hamburg an die Ost- oder Nordsee, von Berlin an die Ostsee oder von Stuttgart an den Bodensee führen, sagt Karl-Peter Naumann.

Der Betriebsrat der Deutschen Bahn habe vor Kurzem festgestellt, dass nur rund sechs bis sieben Züge mehr eingesetzt werden können, weil es auch hier an Kapazitäten fehlt. Daher geht Karl-Peter Naumann davon aus, dass wir uns diesen Sommer wohl auf überfüllte Nahverkehrsfahrzeuge einstellen müssen, wenn es das 9-Euro-Ticket demnächst zu kaufen gibt.

"Es gibt bestimmte 'Rennstrecken', die dann einfach überfüllt sind, und wo es nicht genügend Kapazität gegeben wird, das alle Menschen vernünftig fahren oder überhaupt mitkommen können."
Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband Pro Bahn