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Viele Köpfe sind schon gerollt, seitdem die Epstein-Akten vor ein paar Wochen veröffentlicht wurden. Investigativ-Journalistinnen und -Journalisten suchen aber noch weiter in den Unterlagen. Und viele fragen sich: Kann es noch Konsequenzen geben?

Jeffrey Epstein selbst ist tot, seine engste Verbündete Ghislaine Maxwell sitzt seit 2021 wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung und Verschwörung in Haft verurteilt. Die Epstein-Akten, die das US-Justizministerium Anfang des Jahres veröffentlicht hat, haben vor allem in Europa zu neuen Konsequenzen geführt:

Prinz Andrew wurde vorübergehend festgenommen, Børge Brende ist als Chef des Weltwirtschaftsforums zurückgetreten und auch gegen den Labour-Politiker Wirtschaftsminister Peter Mandelson wird ermittelt.

Auch in den USA bleibt der Druck hoch. Während der Halbzeit des Super Bowls lief ein Video, in dem Opfer von Jeffrey Epstein Aufklärung und Transparenz fordern. In dem Spot halten Frauen Bilder von sich selbst als junge Mädchen in die Höhe – aufgenommen in dem Alter, in dem sie Epstein begegneten.

Epstein-Files teilweise offline genommen

Durch die vorhandenen Dokumente, Audios und Videos der Epstein-Files wühlt sich auch Petra Blum. Sie ist Journalistin bei WDR Investigativ und arbeitet zusammen mit den NDR-Kollegen an den Files.

"Viele Files sind mittlerweile verschwunden. Wir haben den Luxus, dass wir eine eigene Datenbank befüttert haben."
Petra Blum, Journalistin bei WDR Investigativ

Die dreieinhalb Millionen Dokumentenseiten durchsuchen sie gezielt nach Namen, Sachverhalten und Stichworten, erklärt sie. Dafür nutze das Team eine eigene Datenbank, weil die Suche auf der Website des US-Justizministeriums kaum funktioniere und manche Dateien inzwischen sogar verschwunden seien,

Belastenden Recherchen

Die Recherche teilen sie untereinander auf, erzählt sie: nach Namen, Personen, Themen, auch nach Ländern und Sprachkenntnissen. Jeffrey Epstein war international aktiv. Er hatte ein Visum für Russland, war auch oft in Paris. Das Team versucht zu rekonstruieren, wo er unterwegs war und wo möglicherweise Opfer rekrutiert wurden, so Petra.

"Es ist belastend und man kann es auch nicht vergessen, wenn man diese schrecklichen Schilderungen gelesen hat."
Petra Blum, Journalistin bei WDR Investigativ

Vieles über Epsteins Verbrechen sei bereits bekannt gewesen. Besonders schockierend seien für sie aber die Zeugenaussagen der Opfer in den Dokumenten. Darin schildern sie in Vernehmungen durch das FBI detailliert den Missbrauch. Diese Berichte zu lesen, sei sehr belastend und etwas, das man kaum wieder aus dem Kopf bekommt.

Journalistin: Schwärzungen erschweren die Arbeit enorm

Bei solchen Schilderungen muss sie sich bewusst Grenzen setzen, erzählt Petra. Als Journalistin wolle sie zwar alles verstehen, was den Frauen passiert ist, doch nach etwa zwei Stunden höre sie oft auf zu lesen. Aber es gibt auch anderen Themen in den Akten – etwa zu seinen Finanzen, zu Banken und Geldströmen. Das sei ein Spezialgebiet von ihr.

Die vielen Schwärzungen, die das Justizministerium vorgenommen hat, würden die Arbeit allerdings erheblich erschweren. Oft seien bei E-Mails weder Absender noch Empfänger erkennbar. Gleichzeitig sei bei den Schwärzungen nicht immer sorgfältig gearbeitet worden: Manche Dokumente tauchen mehrfach auf mit unterschiedlichen Schwärzungen, erklärt die Investigativjournalistin.

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Viel Neues verspricht sich Petra von den bereits veröffentlichten Akten allerdings nicht. Dennoch gehe es in Europa weiter um die Konsequenzen, wie die Festnahmen zum Beispiel in Großbritannien zeigen würden. Weitere Entwicklungen seien eher durch weitere Vernehmungen möglich oder die komplette Veröffentlichung der Files.

Fehlen Dokumente zu Trump in den Files?

Recherchen von The New York Times unter anderem deuten darauf hin, dass in den aktuell zugänglichen Dokumenten etwas fehlt. Das FBI soll eine Frau befragt haben, die als Mädchen von Jeffrey Epstein und Donald Trump missbraucht worden sein soll. Von den vier vorhandenen Zusammenfassungen wurde offenbar nur eine veröffentlicht – und die behandelt nur Epstein, mögliche Notizen zu Trump tauchen nicht auf.

"Das ist ein Thema, dass die US-Öffentlichkeit weiter beschäftigt. Und die Menschen verfolgen, was so nach und nach jetzt zutage gefördert wird."
Jasper Barenberg, US-Korrespondent

In den USA verschiebt der Krieg gegen den Iran aktuell den Fokus in Politik und Medien. Dennoch beschäftigt die Epstein-Affäre die Öffentlichkeit weiter – zum Beispiel die Aussagen von Bill und Hillary Clinton vor einem Kongressausschuss, so Jasper Barenberg, US-Korrespondent für Deutschlandfunk Nova.

Trump verteidigt Clinton – Demokraten sehen Präzedenzfall

Die Epstein-Files polarisieren Gesellschaft und Politik. Die Bewertung der Aussagen von Bill und Hillary Clinton hängt dabei stark von der politischen Perspektive der jeweils Bewertenden ab: Demokraten sehen die Vorwürfe als Hexenjagd, Republikaner betonen die Aufarbeitung. Dass ein ehemaliger US-Präsident überhaupt zu einer Aussage gezwungen wurde, ist ein bisher einmaliger Vorgang und stark beeinflusst von Parteipolitik, so unser Korrespondent.

"Es ist vorher noch nie passiert, dass ein ehemaliger US-Präsident zu einer Aussage gezwungen wird. Das hat auch viel mit Parteipolitik zu tun."
Jasper Barenberg, US-Korrespondent

Überraschend findet er, dass Donald Trump Bill Clinton verteidigt und sich gegen dessen Aussagepflicht ausgesprochen hat. Die Demokraten sehen darin einen Präzedenzfall, um Trump eines Tages vorzuladen. Der republikanische Ausschussvorsitzende James Comer winkt jedoch ab: Trump werde ohnehin ständig zu diesem Thema von Medien befragt und äußere sich im Gegensatz zu den Clintons.

Trump – Unklarheit über neue Erkenntnisse und Veröffentlichungen

Wie gefährlich das für Trump noch werden kann, hängt von neuen Erkenntnissen ab, sagt Jasper. Bisher existieren nur unbelegte Vorwürfe, etwa zum Missbrauch einer Minderjährigen. Viele Befragungsprotokolle des FBI fehlen offenbar ja in den veröffentlichten Akten.

Entscheidend sei, ob sich Vorwürfe weiterhin gegen das Justizministerium richteten oder ob Hinweise auftauchten, dass Trump persönlich versucht habe, belastendes Material zurückzuhalten.

"Es stehen bisher unbelegte Vorwürfe gegen Trump persönlich im Raum, eine Minderjährige missbraucht zu haben. beispielsweise."
Jasper Barenberg, US-Korrespondent

Es ist schwer einzuschätzen, ob diese fehlenden Akten veröffentlicht werden, sagt Jasper. Ein möglicher Hinweis sei, dass nicht nur Demokraten, sondern auch einige Republikaner sich für eine vollständige Veröffentlichung aussprechen.

Und: Kongressabgeordnete können die Unterlagen unter sehr strengen Bedingungen einsehen. "Sollte irgendetwas auftauchen , was Donald Trump direkt belastet, dann wird das früher oder später auch ans Licht kommen", ist er sich sicher.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Epstein-Files
Wie gefährlich sie noch für Trump werden können
vom 04. März 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Petra Blum, Journalistin bei WDR Investigativ
Gesprächspartner: 
Jasper Barenberg, US-Korrespondent