Stadien ohne Flutlicht, wenig Zuschauer*innen, kein eigenes medizinisches Personal – für viele Vereine der Frauen-Bundesliga ist das Alltag. Deshalb sagen viele Spielerinnen zwar, dass eine Diskussion um gleiche Bezahlung zwar wichtig sei, fordern aber erst einmal verbesserte Trainingsbedingungen und die Professionalisierung der Liga.

Während Fußballspieler bei ihren Gehältern um Millionen feilschen, haben viele Bundesliga-Spielerinnen noch einen zweiten Job. Denn sie wissen: Nach der Fußball-Karriere werden sie nicht ausgesorgt haben. Nur einige Klubs haben den Frauenspielbetrieb inzwischen vollständig professionalisiert, sagt Fußballjournalistin Alina Ruprecht.

"Die strukturellen Unterschiede sind der Grund dafür, dass die Endergebnis-Tabellen jede Saison relativ ähnlich aussehen."
Alina Ruprecht, Fußballjournalistin und Podcasterin

Denn die Unterschiede sind nicht nur zwischen der Männer- und Frauen-Bundesliga groß. Auch zwischen den Frauenvereinen selbst schwanken die Niveaus der Trainingsbedingungen und der Professionalitätsgrad erheblich.

Seit Jahren entscheiden die ersten beiden Plätze der Liga der Vfl Wolfsburg und der FC Bayern unter sich. Diese beiden Vereine stecken viel Geld sowohl in ihre Männer- als auch in ihre Frauenmannschaften. Doch je weiter unten in der Tabelle, desto mehr Spielerinnen gibt es in den Mannschaften, die nicht Vollzeit Fußball spielen.

Frauen-Bundesliga nur zum Teil professionell

Die Frauenfußball-Bundesliga sei nicht vollständig professionell, sagt t Alina Ruprecht. Nur die vier Klubs an der Spitze hätten auf einen professionellen Spielbetrieb umgestellt. Das sei zwar wichtig – doch nun müsse die gesamte Liga nachziehen.

In England ist das bereits passiert: Dort arbeitet keine Spielerin mehr nebenbei in einem anderen Job. Auch Spanien hat die gesamte Liga professionalisiert, Italien plant das für die kommende Saison. In Deutschland absolvieren viele der Spielerinnen der professionellen Klubs nebenbei ein Studium.

"Ich war beim EM-Finale und habe Gänsehaut bekommen, als die Zuschauer*innenzahl an die Leinwand projiziert wurde."
Alina Ruprecht, Fußballjournalistin und Podcasterin

Neben Trainingsbedingungen geht es vielen Spielerinnen auch um fehlende Sichtbarkeit. Beim EM-Finale in Wembley waren 87.000 Zuschauer*innen anwesend. In der Frauen-Bundesliga sieht das ganz anders aus. In der Pandemie-Saison 21/22 nahmen durchschnittlich 800 Zuschauer*innen an einem Spiel teil. Bei den Männern sind es im Durchschnitt 20.000.

Allerdings variiert die Zuschauer*innenzahl stark von Klub zu Klub in der Frauen-Bundesliga. Spitzenreiter ist Eintracht Frankfurt mit etwa 1.500 Zuschauer*innen, gefolgt von Wolfsburg mit etwa 1.200. Danach folgen nur noch dreistellige Durchschnittswerte.

Unzufriedenheit mit DFB

Immer wieder gebe es eine Diskussion darüber, die Frauen-Bundesliga aus dem DFB auszugliedern. Das zeigt die Unzufriedenheit mit dem Verband, sagt Alina Ruprecht. Die komme nicht nur daher, dass Frauenfußball finanziell weniger unterstützt werde, sondern sei auch darin begründet, dass Frauenfußball oft hinten angestellt werde. Spiele der Männer und Frauen werden gleichzeitig angesetzt, Spiele der Frauen hinter Paywalls versteckt oder gar nicht erst angekündigt.

Deutschland sollte sich nach Meinung der Fußballjournalistin ein Beispiel an England nehmen: Seit der EM gibt es dort eine App, über die alle Spiele der Frauen kostenlos angeschaut werden können und die eine Übersicht mit allen Spielen in der Nähe enthält.