Von der Hand in den Mund – das geht mit Obst und Beeren am Wegesrand besonders gut. Wirklich erlaubt ist das in der Regel aber nicht.

Gerade hängen reifes Obst und Beeren in großen Mengen in der freien Natur herum. Bei kleinen Wanderungen hier und da zu pflücken und zu naschen ist jedenfalls dann Diebstahl, wenn die Bäume einen Besitzer haben. Ist der Baum hingegen herrenlos, gilt das auch für seine Früchte.

Obstbäume an Straßen oder im Stadtpark gehören in der Regel der Gemeinde, dem Kreis, dem Land oder dem Bund. Wenn ihr sicher gehen wollt, müsst ihr nachfragen, ob ihr sie abernten dürft.

"Das ist wirklich Diebstahl, wenn man sich einfach an Obstbäumen bedient. In der Regel gehören die jemandem. "
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Besonders offensichtlich: Bäume, die auf Plantagen stehen, gehören hingegen einem Obstbaubetrieb. Und gerade in Obstanbaugebieten die auch Urlaubsregionen sind, sind die Bäume schnell leer gepflückt, wenn alle, die da vorbeiwandern, sich eine Handvoll mitnehmen.

Mundraubparagraf ist Vergangenheit

Das gilt als geringfügiger Diebstahl. Bis 1974 gab es für das Klauen von Nahrungsmitteln einen Sonderparagrafen, mit dem bestimmte Vergehen als sogenannter Mundraub eingeordnet werden konnten. Das wurde weniger streng bestraft als andere Diebstähle.

Auch wenn Äste eines Baumes mit Früchten auf die Straße ragen, der Baum aber auf einem eingezäunten Grundstück steht, solltet ihr fragen, wenn ihr etwas pflücken wollt. In diesem Fall dürft ihr euch erst bedienen, wenn das Obst bereits vom Baum gefallen ist.

"Erst wenn sie von selber auf den Bürgersteig runtergefallen sind, dürftest du sie aufsammeln."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Umgekehrt gibt es Städte und Gemeinde, die daran interessiert sind, dass Bürgerinnen und Bürger sich selbst mit Obst und Beeren versorgen. Im Projekt Essbare Stadt sind. Es werden zu diesem Zweck auf öffentlichen Grünflächen sogar Nutzpflanzen angepflanzt.

Auf mundraub.org sind Nutzpflanzen verzeichnet, die laut der Seitenbetreiber, legal abgeerntet werden dürfen, weil die Eigentümer gefragt wurden. Das Team von mundraub.org gibt Verhaltenstipps für das Abernten:

  • Für Wildtiere sollte immer etwas übrig bleiben.
  • Die Bäume sollten sorgsam behandelt, keine Zweige abgebrochen und der Stamm nicht verletzt werden.

Ein richtiges Problem mit Obstdiebstahl gab es im Jahr 2018 in der Region Mainz: Professionelle Diebe ernteten nachts ganze Wagenladungen ab und nahmen das Obst mit. Die Polizei ist dann verstärkt Streife gefahren. Bisher hält es sich aber 2019 noch in Grenzen, sagt die Mainzer Polizei.