70 Prozent aller Berufstätigen im Urlaub sind grundsätzlich für ihren Chef oder Kollegen erreichbar. Das ist ein Problem, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann.

Eigentlich wollen wir uns im Urlaub erholen. Faul in der Sonne rumliegen. Wandern. Etwas erleben. Aber auf keinen Fall wollen wir: arbeiten. Trotzdem sind 70 Prozent aller Berufstätigen auch im Urlaub erreichbar. Jeder Vierte checkt in seiner Urlaubszeit seine Mails. Das hat eine repräsentative Befragung des Digitalverbandes Bitkom ergeben.

Am besten sind die Urlauber via Kurznachricht zu erreichen. Rund zwei Drittel sagen, dass sie auf ihre Messenger wie WhatsApp, SMS oder iMessage schauen. Für ihren Arbeitgeber, ihre Kollegen oder Kunden. Gut die Hälfte geht für Berufliches im Urlaub auch ans Telefon ran.

Privatleben und Beruf verschmelzen

Das liegt daran, dass Job und Privatleben mehr und mehr verschmelzen, sagt Tim Hagemann, Arbeitspsychologe an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld: Jeder hat ein Smartphone, jeder erledigt damit private und berufliche Dinge. Da kann man also auch schnell mal den beruflichen Mail-Account öffnen, obwohl die Sonne gerade so schön die Nase kitzelt.

"Wenn wird dann im Urlaub mit dem Smartphone einen Tisch reservieren oder Ähnliches, haben wir auch immer Zugriff auf berufliche Kontakte, Mails und Sonstiges."
Tim Hagemann, Arbeitspsychologe an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld

Gesund ist das nicht, denn der Urlaub verliert damit seine eigentliche Aufgabe. Mails, Telefonate und Nachrichten können die Erholung komplett kaputtmachen. "Das kann auch dazu führen, dass Stresshormone ausgeschüttet werden", sagt Tim Hagemann. Es sei wichtig, auch mal zwei oder drei Wochen komplett abzuschalten. Ohne zwischendurch aus der Pause herausgerissen zu werden.

Außerdem haben Arbeitnehmer ein Recht auf ihren ungestörten Urlaub. "Aber gerade Selbstständige können oft nicht ganz abschalten, weil sie ihr eigener Chef sind, keine Vertretung haben", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Till Opitz. Nach Einschätzung des Digitalverbands Bitkom ist es extrem, wichtig, dass Mitarbeiter nur im allergrößten Notfall kontaktiert werden.

"Es ist wichtig, dass man im Vorfeld seine KollegInnen und KundInnen über den bevorstehenden Urlaub informiert, dass man wirklich zwei Wochen nicht erreichbar ist."
Tim Hagemann, Arbeitspsychologe an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld

Tim Hagemann empfiehlt deswegen Vorbereitungen – auch, wenn das die Zeit vorm Urlaub etwas stressiger macht. Wir sollten die Finger von beruflichen Mails lassen, unsere Kolleginnen und Kollegen vorwarnen, dass wir wirklich nicht erreichbar sind, und wir sollten einen konkreten Stellvertreter nennen, der Fragen beantworten kann. Dann klappt es hoffentlich auch mit der Erholung.