Wegen einer chronischen Krankheit bezieht Sasa Zatata mit 36 Jahren Erwerbsminderungsrente. Für sie und ihre Familie bedeutet das: ein Leben am Existenzminimum. Über Spartipps von Politiker*innen kann Sasa nur müde lächeln – denn Einsparmöglichkeiten gibt es bei ihr kaum noch.

Momente, in denen es Sasa peinlich ist, dass sie armutsbetroffen ist, gibt es immer wieder. Wenn sie Freunde nach Geld fragen muss, weil irgendetwas Unverhofftes passiert ist – oder wenn Ärztinnen und Ärzte ihr Behandlungen empfehlen, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden und die Sasa sich nicht leisten kann.

"Ich bin 36 Jahre alt, ich hab mir mein Leben ein bisschen anders vorgestellt. Ich war bis 2018 noch Geschäftsführerin einer Fraktion."
Sasa über ihr Leben mit Erwerbsminderungsrente

"Wenn man dann noch so Sprüche kriegt: 'Ja, das muss Ihnen ihre Gesundheit aber Wert sein', dann kommt die Scham schon massiv hoch", sagt Sasa. Sasa hat Morbus Bechterew, eine schwere Autoimmunerkrankung, die es der gelernten Industriekauffrau nicht mehr ermöglicht, zu arbeiten. Daher bekommt Sasa Erwerbsminderungsrente – mit gerade einmal 36 Jahren.

Armut: Sasa muss ihr Budget genau planen

Für sie und ihre Familie bedeutet das: Das zur Verfügung stehende Geld muss genau geplant und eingeteilt werden, damit es bis zum Ende des Monats reicht. "Ich hab meine kleinen Briefumschläge, wo ich für Lebensmittel, Mobilität und so ein paar Sachen das Budget abstecke", erzählt Sasa.

Beim Einkaufen im Supermarkt kommt nicht das in den Wagen, was gut für Sasas Gesundheit wäre oder worauf sie und ihre Familie Lust haben. Sondern das, was sie sich leisten können.

"Es wird lange nicht das gegessen, was wir gerne wollen, es wird immer nach Angeboten gekauft."
Sasa über ihr Leben mit Erwerbsminderungsrente

Am Existenzminimum zu leben bedeutet für Sasa und ihre Familie auch, sich genau zu überlegen, welche Autofahrt gemacht wird und ob die Freunde, die am anderen Ende der Stadt wohnen, besucht werden können. „Armut sorgt dafür, dass eine soziale und gesellschaftliche Teilhabe kaum noch möglich ist“, sagt Sasa. "Armut macht einsam, Armut macht krank."

Armut sichtbarer machen

Früher war Sasa politisch aktiv, heute setzt sie sich über soziale Netzwerke wie Twitter dafür ein, dass Armut in Deutschland sichtbarer wird und Vorurteile abgebaut werden. Unter #IchbinArmutsbetroffen teilen seit Mitte Mai viele Menschen ihre persönlichen Geschichten und geben Armut ein Gesicht - auch Sasa. Auch, um zu zeigen: "Armut ist nicht der Klischee-Hartz-IV-Empfänger, den man vielleicht bei RTL2 gezeigt bekommt", sagt Sasa.

Warum Sasa bei Spartipps von Politikerinnen und Politikern nur müde lächeln kann und was sie Christian Lindner gerne sagen würde, das erzählt sie im Deep Talk mit Rahel Klein.