Die finanzielle Situation der Europäischen Union ist angespannt. Der Austritt Großbritanniens, die Finanz- und Griechenland-Krise lasten schwer. Andreas Maurer glaubt nicht daran, dass die EU derzeit erweiterungsfähig ist.

Wer sollte ein Interesse daran haben, auch nur einen weiteren armen Staat in die EU aufnehmen zu wollen, fragt der Politikwissenschaftler Andreas Maurer. Allein die Tatsache, dass über die Aufnahme der beiden offiziellen Beitrittskandidaten Serbien und Montenegro in Frankreich ein Referendum abgehalten werden müsse, verurteile solche Pläne zum Scheitern. "Wir können hier auch abbrechen!" - so radikal schätzt Andreas Maurer die Lage ein, auch wenn offiziell weiter verhandelt wird.

"Ich sehe zur Zeit nicht, dass es in Frankreich auch nur für irgendeinen Staat aus dieser Region eine Mehrheit geben würde."
Andreas Maurer, Politikwissenschaftler

Mit den osteuropäischen Staaten Serbien, Montenegro, Albanien oder dem Kosovo könnten noch wirtschaftlich viel schwächere Staaten hinzustoßen, als mit Rumänien und Bulgarien jetzt schon dabei sind. Weil es sich ausschließlich um Nettoempfänger handeln würde, reicht der EU-Finanzetat dafür nicht aus. Problem ungelöst.

Erfolgreiche Friedensgemeinschaft Europäische Union

Andreas Maurer zählt aber auch positive Folgen des europäischen Bündnisses auf. So habe es in den vergangenen 60 Jahren bewiesen, dass es die Nationen seines Territoriums dauerhaft in einem friedlichen Zustand halten kann. Delegationen aus vielen Ländern der Erde - so Maurer - reisten heutzutage nach Brüssel, um dieses Erfolgsrezept der EU zu verstehen und nachahmen zu wollen.

Der Hörsaal ist ein Mitschnitt einer Veranstaltung der Universität Hildesheim vom 27. April 2019 unter dem Motto "Die Europäische Union als Verantwortungsgemeinschaft: gestern-heute-morgen". Der Vortragende Andreas Maurer forscht und lehrt am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. Vor allem beschäftigt er sich mit Fragen der Europäischen Integration. Sein Thema auf der Hildesheimer Veranstaltung lautete: "Die EU-Beitrittsvoraussetzungen und integrationspolitische Herausforderungen mit Blick auf den Westbalkan".