Die Eventbranche gehört zu den am schwersten betroffenen Branchen durch die Corona-Krise und die Aussichten auf Besserung im Herbst und Winter sind schlecht. Drohende Insolvenzen sollten aber vor allem Soloselbstständige abwehren, denn nach einer Pleite ist der Neuanfang schwer.

Die aktuellen Corona-Richtlinien für Nordrhein-Westfalen besagen beispielsweise: Gibt es pro Woche mehr als 50 Covid-19-Neuinfektionen bei 100.000 Einwohnern, dann dürfen Privatfeiern nur noch bis zu 25 Teilnehmende haben. Die Teilnehmeranzahl von Veranstaltungen variiert also je nach aktuellen Fallzahlen und Bundesland.

Eine Planungssicherheit für Eventplanende, Caterer, Künstlerinnen oder Anbieter von bestimmten Räumlichkeiten gibt es derzeit nicht. Viele wissen nicht mehr, wie sie die Krise überstehen sollen. Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer rät dazu, eine Insolvenz zu vermeiden und sich parallel auf anderen Branchen umzuorientieren, wo dies möglich ist.

Auf andere Branchen zurückgreifen

Ein Beispiel: Die Event-Caterer. Sie können auch in Zukunft nur auf mittelgroße Veranstaltungen hoffen, also beispielsweise kleine Messen mit einigen tausend Besucherinnen und Besuchern. Deshalb halten Firmen Ausschau nach neuen Geschäftsbereichen wie die Firma Broich Catering aus Düsseldorf. Rund 70 Prozent ihrer Einnahmen sind durch die Corona-Krise weggebrochen. Deshalb beliefert der Catering-Service seit neuestem Hotels, denn die haben teilweise in der Krise ihre Küchenteams entlassen müssen, um Geld zu sparen.

So eine Umstrukturierung ist nicht für jede Bereich der Eventbranche möglich. Und selbst wenn – die hohen finanziellen Ausfälle müssen die Firmen dennoch verkraften, sagt Katja Scherer.

"Da ist im Moment also viel Veränderung in der Branche, viele Firmen stellen sich neu auf. Aber hohe finanzielle Ausfällen haben die meisten trotzdem."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Geschäftspause bis Sommer 2021 machen und die Mitarbeiter bis dahin in die Kurzarbeit schicken? Das sieht Katja Scherer kritisch, denn die Firmen hätten ja nicht nur die Personalkosten zu stemmen, sondern auch Kosten für Mieten, Leasing oder Kreditraten. Diese Fixkosten sind aus den Ersparnissen heraus auf Dauer nicht zu stemmen. Abgesehen davon laufen sie Gefahr, dabei ihre Kunden zu verlieren.

GmbHs nach der Krise im Vorteil

Sollte man als Unternehmerin oder Unternehmer wirklich vor der Pleite stehen, kann man nach der Insolvenz trotzdem ohne Auflagen weitermachen – sofern man eine GmbH, also eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist.

Laut Verband der Insolvenzverwalter geht zwar die GmbH pleite, aber nicht die Unternehmerin oder der Unternehmer selbst. Diese würden bei der Insolvenzanmeldung zwar das Geld, das sie in das Unternehmen gesteckt haben, verlieren, könnten aber ohne Auflagen ein neues Unternehmen gründen.

"Als Unternehmer einer GmbH verliert man bei einer Insolvenz zwar das Geld, das man ins Unternehmen gesteckt hat. Man kann aber danach ohne Auflagen direkt wieder neu gründen."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Für Soloselbstständige, die es in der Eventbranche sehr häufig gibt, sieht es dagegen schlecht aus: Sie müssen eine Privatinsolvenz anmelden. Das bedeutet: Über mehrere Jahre dürfen sie keine Verträge mehr selbst unterschreiben, sondern müssen diese immer von einem Insolvenzverwalter absegnen lassen. Der Verband der Insolvenzverwalter fordert deshalb eine Änderung der Insolvenzregeln, sodass auch Soloselbständige sofort wieder uneingeschränkt arbeiten könnten.

Höhere Zuschüsse, schnellere Tests

Damit möglichst viele Unternehmen und Soloselbsttändige auch ohne Insolvenz durch die Krise kommen, fordern viele Verbände der Branache Hilfen vom Staat und auch höhere EU-Obergrenzen für derartige Zuschüsse. Am wichtigsten sei laut Katja Scherer allerdings, dass die Branche bald wieder mehr Planungssicherheit für die Zukunft hätte.

"Wichtig ist aber vor allem, dass die Unternehmen wieder Einnahmen bekommen, also Events planen können."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Beispielsweise könnten Corona-Schnelltests, die innerhalb von Minuten zeigen, ob die Teilnehmenden gesund oder krank sind, größere und mehr Events wieder erlauben.

In Zukunft: Hybrid -Veranstaltungen

Auch in fernerer Zukunft scheinen die ganz großen Events erstmal nicht stattzufinden. Der Europäische Verband der Veranstaltungszentren geht beispielsweise davon aus, dass gerade kleine Events auch künftig oft digital stattfinden werden.

Viele Eventagenturen wie beispielsweise das Unternehmen Klubhaus aus Köln testen deshalb derzeit digitale Hybrid-Formate, also eine Mischung aus Live- und Onlineveranstaltung. Sollten sich diese bewehren, geht Katja Scherer davon aus, dass diese Konzepte teilweise auch nach der Krise beibehalten werden.