Maximilian Pollux war Gangster. Und das hatte wenig mit irgendwelchen romantischen Vorstellungen aus Filmen oder Krimis zu tun. In seinem Leben als Krimineller war er manchmal schon froh, seine Gliedmaßen behalten zu haben.

"Wenn du dich als 13-Jähriger zwischen Kriminellen bewegst, musst du sehr schnell lernen, zu erkennen, wie die Stimmung im Raum ist."
Maximilian Pollux

Ausgangssituation: Acht Jahre Drogenkurier, -verkäufer und -beschaffer. Zwei Jahre im Ausland auf der Flucht. Fast zehn Jahre Gefängnis.

Lebensziel heute: Die Sozial- und Präventionsarbeit in Deutschland revolutionieren.

Konkrete Erfolgserlebnisse: Wenn ihm Schüler versprechen, das Messer zu Hause zu lassen.

Das ist die Kurzbeschreibung von Maximilian Pollux (Pseudonym). Seine Geschichte in etwas länger geht so:

Mit 13 entscheidet sich Maximilian ganz bewusst, etwas Spannenderes und Aufregenderes zu machen, als es ihm sein bisheriges Leben bisher bot. Gefunden hat er das in der Kriminalität. Ihm wurde gesagt: Du bist erst 13, also nicht strafmündig. Du übernimmst die Kurierfahrten von Holland nach Deutschland und besorgst Stoff. Also hat er das gemacht.

Karriere wie im Unternehmen

Weil die Kuriere in der Regel die Ersten sind, die erwischt werden, wollte Maximilian irgendwann nicht mehr Kurier sein. Er hat sozusagen den Job gewechselt, ist in den Verkauf und hat die Logistik übernommen. Drogen beschaffen und verteilen, das war seine Arbeit. Und als er an dem Punkt angekommen war, über all das nachzudenken, war es zu spät.

"Ich war verschuldet, hatte einen Haftbefehl in Deutschland. Also bin ich ins Ausland. Immer in Angst."
Maximilian Pollux

Als Maximilian 19 war, lag ein Haftbefehl in Deutschland gegen ihn vor. Er ist für zwei Jahre ins Ausland. Ohne soziales Umfeld, ohne Freunde, Papiere, Ausweise, Geld. Maximilian war verschuldet, musste arbeiten und durfte gleichzeitig nicht auffallen. Er sagt: "Wenn dich die Polizei erwischt, dann freust du dich nicht - aber du weißt wenigstens, dass du alle Gliedmaßen behältst."

Nach zwei Jahren Flucht wird er verhaftet. Knapp zehn Jahre Gefängnis standen ihm bevor.

Maximilian Pollux
© Maximilian Pollux

In den ersten fünf Jahren Knast hat er im Prinzip so weitergemacht wie vorher. Schließlich war sein bisheriges Leben eine gute Vorbereitung auf das, was ihm im Gefängnis erwartet hat. Zum Beispiel: Hierarchien. Und: Alles wird auf die Goldwaage gelegt, jede Aussage, jede Handlung.

"Ich habe irgendwann gemerkt, dass das das Leben ist, was ich für immer führen werde. Im Gefängnis oder draußen. Und dann habe ich mich dagegen entschieden."
Maximilian Pollux

Maximilian kriegt mit, dass Mitinsassen entlassen werden und nach kurzer Zeit wiederkommen. Oder, dass manche so lange isoliert werden, dass sie ihren Verstand verlieren. Oder auch, das ist der seltene, aber schlimmste Fall: Jemand wird in der Dusche abgestochen.

So wie Maximilian sich mit 13 entschied, ein aufregendes, kriminelles Leben zu beginnen, entschied er sich mit Ende 20 damit aufzuhören. Und das hat geklappt.

"Ich habe mich trotz Gefängnis geändert. Nicht wegen Gefängnis."
Maximilian Pollux

Auf einer Buchmesse spricht ihn eine Lehrerin an, ob er sich vorstellen könne, zur Präventionsarbeit an ihre Schule zu kommen. Er sagt zu, und das war der Beginn seiner neuen Karriere. In ganz Deutschland erzählt er an Schulen, Uni und anderen Orten seine Geschichte und zeigt konkrete Konsequenzen eines kriminellen Lebens auf.

"Viele Schüler sind verklärt", sagt er. Sie hätten ihre Vorstellung vom Gangster-Dasein aus Filmen, denken, sie würden dann mit einem dicken Auto vorfahren. Meistens ist es aber ganz anders: Man endet im Knast oder ohne Zähne, einsam und allein in einer Sozialwohnung.

Konsequenzen erklären

Maximilian ist überzeugt, dass sein größter Nachteil - zehn Jahre Knast - in der Präventionsarbeit ein großer Vorteil ist. Er weiß, wovon er spricht. Und er nimmt die Jugendlichen ernst. Wenn sich zum Beispiel jemand bewusst dafür entscheidet, Drogen verkaufen zu wollen, dann sei er kaum davon abzuhalten, wenn ihm jemand sagt, dass das die falsche Entscheidung ist.

"Was ich aber tun kann", sagt Maximilian, "ich kann ihm die Konsequenzen aufzeigen und ihm vermitteln, welches Leben ihn wahrscheinlich erwartet".