(Stand 15:17 Uhr) Bei der Explosion in Manchester mit mindestens 22 Toten und Dutzenden Verletzten geht die britische Polizei von einem Selbstmordanschlag aus. Der Täter kam dabei ums Leben. Ein 23-Jähriger Verdächtiger wurde in Zusammenhang mit der Tat festgenommen. Die Terrormiliz IS hat den Anschlag für sich beansprucht.

Der Anschlag ist nach Auskunft der Polizei von einem Täter verübt worden, der einen selbstgebauten Sprengsatz am Körper getragen habe. Die Polizei geht davon aus, dass er alleine handelte. Offen ist aber, ob er Helfer hatte oder Teil eines Netzwerks war.

Unter den 22 Toten sind auch Kinder. Rund 60 weitere Menschen wurden bei dem Attentat verletzt. 

Der Selbstmordanschlag  hatte sich gestern Abend kurz nach einem Konzert von Ariana Grande in der Manchester-Arena ereignet. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall im Vorraum des Konzertsaals. Auch die Polizei spricht von einer Explosion im Foyer der Halle. Vom Arena-Betreiber dagegen hieß es, die Detonation habe sich außerhalb der Halle im öffentlichen Raum ereignet.

Die Polizei rief die Bevölkerung auf, den Bereich um die Arena in der nordwestenglischen Stadt zu meiden. Der Veranstaltungsort wurde abgeriegelt, der Zugverkehr zum Victoria-Bahnhof unter der Arena eingestellt.

Die Polizei arbeite eng mit den Stellen der nationalen Terrorabwehr und den Geheimdienstpartnern Großbritanniens zusammen, sagte der Polizeichef für den Großraum Manchester, Ian Hopkins. In Großbritannien gilt seit August 2014 die zweithöchste Terrorwarnstufe 4. Augenzeugen wurden gebeten, Handyvideos oder Fotos vom Geschehen an die Polizei zu schicken. 

"Neue Kategorie der Feigheit"

Die britische Regierungschefin Theresa May erklärte, ihre Gedanken seien bei den Opfern und den betroffenen Familien. Man arbeite daran, den Vorfall aufzuklären. Der Täter habe ein größtmögliches Blutbad anrichten wollen. Der Anschlag habe sich gezielt gegen Kinder und Jugendliche gerichtet. Damit sei eine "neue Kategorie der Feigheit" erreicht. Laut May geht die Polizei davon aus, dass sie die Identität des Attentäters kennt.

"Wir sind daran, alle Einzelheiten dessen, was von der Polizei als entsetzlicher Terroranschlag behandelt wird, herauszuarbeiten. All unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Familien von allen, die betroffen sind."
Die britische Premierministerin Theresa May nach der Explosion in Manchester

Die Briten wählen in gut zwei Wochen ein neues Parlament. Wegen des Terroranschlags haben die Konservativen wie auch die Liberalen ihre Wahlkampfauftritte für heute abgesagt. 

Anteilnahme überall

Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter, man sei in Gedanken bei den Toten und Verletzten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich geäußert. Sie teilte mit, es sei unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutze, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen. Ihre Anteilnahme gelte allen Opfern und Betroffenen sowie den Angehörigen in ihrer Trauer und Verzweiflung.

"Deutschland steht an Ihrer Seite."
Bundeskanzlerin Angela Merkel

US-Präsident Donald Trump hat den Anschlag scharf verurteilt. Bei dem Attentat sei Jagd auf unschuldige Kinder gemacht worden. Die Verantwortlichen bezeichnete Trump als "böse Verlierer" ("evil losers").

"I won't call them monsters because they would like that term. They would think that's a great name. I will call them from now on losers because that's what they are."

Auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat ihr Mitgefühl ausgedrückt - ähnlich wie Kanadas Premierminister Justin Trudeau.

Hilfsbereitschaft in Manchester

Unter dem Hashtag "RoomsforManchester" gibt es Angebote für Leute, die wegen gesperrter Straßen oder gestoppten Bussen und Bahnen nicht nach Hause kommen. Einige Taxi-Fahrer nehmen Passagiere kostenlos mit.

Auf Twitter und Instagram reagierten Anwohner in Manchester auf Fragen von Angehörigen - wo zum Beispiel gestrandete Konzertbesucher untergebracht wurden.

Die Polizei in Manchester hat eine Hotline für Angehörige eingerichtet und berichtet auf Twitter über den Stand der Ermittlungen.

Auf den Accounts von Ariana Grande ist die Bestürzung und die Anteilnahme groß. Unter anderen schickte Taylor Swift die Nachricht: "Meine Gedanken und Gebete für alle, die von der Tragödie in Manchester betroffen sind."

Ähnliches twitterten Stars wie Ellie Goulding, Katy Perry oder Justin Timberlake. Ariana Grande selbst schrieb, sie sei am Boden zerstört.