Seit der Corona-Pandemie setzen sich die Leute wieder mehr aufs Rad. Cool aussehen, das könnt ihr, aber wie sieht es aus mit dem Klang? Da schauen wir mal auf die B-Note und stellen fest: Bei den Fahrradklingeln gibt es Unterschiede und Luft nach oben.

Eine Klingel am Fahrrad ist Pflicht. Paragraph 64a der Straßenverkehrsordnung besagt, dass wir mindestens eine helltönende Glocke am Fahrrad haben müssen. Also eine Klingel.

Eine Klingel hat eine Alarm-Funktion

Klingeln gibt es in diversen Varianten. Schlimm sind besonders jene mit sehr hellen Tönen, die lange nachhallen können. Da hat man im Zweifel vielleicht selbst keinen Bock drauf zu klingeln. Auf der anderen Seite nervt das natürlich auch die anderen und sie machen Platz. Und das ist meist ja das Ziel von Radfahrenden. Klangforscher Golo Föllmer meint, der Sinn einer Fahrradklingel ist schließlich zu alarmieren.

"Eine Fahrradklingel ist stark impulshaft und darauf reagiert die Wahrnehmung mit größeren Alarmiertheit als auf sanft ansetzende Klänge."
Golo Föllmer, Musikwissenschaftler und Klangforscher

Auf helle Töne reagieren wir einfach anders als auf dunkle, tiefe Töne. Wenn jemand in Gefahr ist, wird er auch nicht in seiner tiefen Bass-Stimme um Hilfe rufen, sondern so schrill es geht.

Golo Föllmer erinnern die Standard-Klingeln an Schiri-Pfeifen, die ja auch die Funktion hätten, das Spiel zu unterbrechen.

"Wenn der Schiri pfeift, dann unterbricht er ja das Spiel. Und dann ist er in der Regel wenig freundlich."
Golo Föllmer, Musikwissenschaftler und Klangforscher

Aber ab uns zu wollen wir doch einfach nur "freundlich" klingeln. Mal Hallo sagen, nett grüßen oder einfach behutsam auf uns aufmerksam machen. Und dabei wäre doch etwas mehr Coolheitsfaktor echt nett. Also, damit die Leute, noch bevor sie sich nach uns umdrehen, beim Klang der Klingel schon den Eindruck haben: Ach, da kommt gerade ne coole Socke angefahren.

Tiefere Töne klingen freundlicher

Deutschlandfunk-Nova-Autor Alexander Werth macht die sogenannte "Ding-Dong-Glocke" ausfindig. Die hat einen tieferen, sanften, harmonischen, nicht allzu hellen Ton. Diese Klingel wirkt freundlich und cool, bestätigt auch Golo Föllmer.

"Das ist ne kleine Terz abwärts. Das ist ein typisches Intervall, mit dem man mal jemandem ein Hallo hinterherruft."
Golo Föllmer, Musikwissenschaftler und Klangforscher

Im Audio hört ihr noch weitere Beispiele für coole und alarmierende Klingeln und erfahrt auch, warum Alexanders Freundin eine ganz furchtbare Klingel hat, die sie aber behalten will. Klickt einfach oben auf den Play-Button.